Gasdruckfedern Thriller

995 Kilometer

12.02.2018 Springbok – Grünau

An diesem Tag waren wir etwas später unterwegs. Kaum waren wir auf der N7 wurden wir an einer Polizeikontrolle angehalten. Da war auch eine mobile Radarfalle aufgestellt aber auch auf diesem flachen Gelände hätte Nelson die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120km/h beim besten Willen nicht erreicht und überschritten schon gar nicht. Die Polizistin notierte sich nur die Autonummer und fragte nach unserm Ziel. Reine Neugier fand Emanuel, er und Frauen in Uniform….

Aber wir erwarteten keine grosse Verzögerung an den Grenzübergängen. Bei den Südafrikanern ging das fix, nur der Polizist wollte noch das Innere des Wagens sehen. Dazu sollten wir, wie so oft, auf der Fahrerseite die Schiebetüre öffnen. Emanuel bedeutete ihm dass das nicht geht. Da bei uns alles seitenverkehrt ist, ist natürlich auch die Schiebetüre auf der anderen Seite. Als der Polizist seinen Irrtum feststellte lachte er. Seine Kollegin studierte währenddessen  intensiv unser Swiss Disc, stellte dazu aber keine Fragen. Funktioniert doch, unsere Eigenkreation.

Bei den Namibiern hatten wir Glück dass nur eine Frau anstand, nach uns kamen dann noch etwa ein halbes Dutzend Leute. Die letztes Jahr eigeführte Gesichtserkennung und die elektronische Abnahme der Fingerabrücke werden nicht konsequent durchgeführt, weil es nicht sehr gut funktioniert. Bei der Frau vor uns wurde noch alles gemacht, bei Emanuel nur das Foto, er musste allerdings eine leichte Kniebeuge machen weil er zu gross war. Bei Christine wurde auf alles verzichtet, wahrscheinlich weil schon zu viele Leute anstanden. Da man an dieser Grenze durch eine niedrige Durchfahrt muss fuhren wir um das Gebäude herum. Dort war ging eine Spur direkt auf eine grosse Fahrzeugwaage. Dorthin wollten wir auf keinen Fall, denn unser Bus ist einiges schwerer als seine zulässigen 3‘500 Kilo. Zum Glück gab es noch eine zweite Spur. Diese benutzen wir mit einer ganz langsamen Durchfahrt und hofften dass uns niemand zurück pfiff.

Wir tankten auf der namibischen Seite, weil das Benzin da billiger war. Ebensfalls kauften wir dort noch SIM Karten für unser Telefon und den Hotspot. Dort im Schatten zeigte unser Thermometer aussen 37 und innen 43 Grad. Kein Wunder war unser Wasserverbrauch ziemlich gross, Nelson hatte damit keine Probleme die Kühlertemperatur blieb stets unter 80 Grad. Auch wenn der der Wind aus Nordnordosten ihm ziemlich zu schaffen machte.

Auf der White House Farm durften wir uns einen Platz aussuchen.  Wir hatten die Qual der Wahl denn sonst war niemand da. Nur eines de Chalets wurde später noch bezogen. Wir leisteten uns den Luxus, uns von der Farmküche bekochen zu lassen. Das Lammfleisch von den eigenen Tieren, das Gemüse und das Dessert wurden uns auf den Platz gebracht und alles war ausgezeichnet.

Auf der ganzen Fahrt hatten wir schon viele kleine Wolken am Himmel und die wurden später zu einem heftigen Gewitter.

Es goss, blitzte und donnerte und der Wind war viel stärker als wir es je am Meer erlebt hatten. Er drohte uns die Markise weg zu blasen. Wir montierten noch eine Seitenwand um das Wasser und den Wind etwas abzuhalten. Es regnete trotzdem ins Auto und wir legten Handtücher aus die das Wasser aufsaugen sollten. Der Himmel wurde immer wieder von Blitzen erhellt. Als Regen und Wind mal ein bisschen nachliessen, genossen wir unser Abendessen.  Kaum waren wir im Bett wurde der Bus wieder durchgeschüttelt. Es fiel zwar noch kein Regen, aber wir trauten dem Wetter nicht. Also standen wir wieder auf und bauten die Markise ab. Es regnete in dieser Nacht nicht mehr, aber so konnten wir ruhiger schlafen.

 

13.02.2018 Grünau – Mariental  

Am nächsten Tag erfuhren wir, dass nur 5 Millimeter Regen gefallen waren, uns kam es vor wie die Sintflut. Aber der Farmer war damit schon recht zufrieden, da es am Vortag auch schon geregnet hatte. Besser als gar nichts ist es allemal.

Da wir am uns bekochen lassen Geschmack fanden fuhren wir an diesem Morgen 120 Kilometer zum Kitchen 51 wo wir frühstückten. Auf dem Weg dorthin sahen wir den „Loewen“ Fluss fliessen. Wenn man bedenkt dass nur der Orange River an der Südgrenze zu Südafrika und der Cunene River an der Angola Grenze das ganze Jahr Wasser führen, war ein Fluss mit Wasser im Landesinneren eine bemerkenswerte Angelegenheit. Wie man uns sagte hatte es in dieser Region sogar 20 Millimeter geregnet. Die heutige Strecke war etwa 400 Kilometer lang und somit die längste welche wir auf dieser Tour bisher gemacht haben. Zudem bietet die Gegend nicht sehr viel Abwechslung. Zum Glück hatten wir Hörbücher dabei die uns gut unterhielten (Känguru Chroniken, sehr zu empfehlen). Radioempfang gibt es  in Afrika meist nur in unmittelbarer Nähe der grösseren Ortschaften.

Wir wussten dass man auf dem Bastion Camping zwischen 12 und 14 Uhr nicht einchecken konnte. Deshalb hatten wir auch keine Eile, und wir schafften es um 14:15, nach mehr als 5 Stunden Fahrt, anzukommen. Auch an diesem Tag waren die kleinen hübschen Wolken am Himmel und wurden später zum Gewitter. Hier hatten wir aber ein eigenes Bad mit einer gedeckten Veranda davor. Wegen dem Wind war man zwar nicht ganz vom Regen geschützt, aber das bisschen nass werden, war im Vergleich zum Vortag noch erträglich.

14.02.2018 Mariental – Windhoek

Schon bevor Sonnenaufgang war ein Helikopter zu sehen der im Tiefflug über die Felder flog. Wir dachten an erst eine Suchaktion, bis er dann später das Maisfeld neben dem Campingplatz mit was auch immer besprühte.

An diesem Tag mussten wir nur 250 Kilometer zurücklegen und das war gut so. Wir staunten wie die Büsche, Bäume und zum Teil das Gras schön grün waren. So hatten wir Namibia schon lange nicht mehr erlebt.

Den Platz im Arebbush Camping hatten wir gebucht weil wir einen Platz mit eigenem Bad wollten und von denen gibt es nur drei. Daneben hat man eigene Abwaschmöglichkeit und zwei Kammern wo man Sachen verstauen kann, ein wenig Luxus halt.

Unser erster Weg führte zu Savanna Car Hire zu Berti Ham. Er war ja einverstanden, dass wir die Gasdruckfedern aus Deutschland zu ihm schicken lassen. Leider waren sie noch nicht angekommen. Laut Tracking-Information sollten sie erst am 19. Februar ankommen, das war auch der Tag an dem Julia und Jan in Windhoek landen würden. So haben wir verschiedene Szenarien überlegt. Allenfalls konnten wir die Federn auch noch am Vormittag des 20. einbauen lassen da unser Tagesziel  Mariental war und wir das in gut drei Stunden schaffen würden. Sonst blieb uns nichts anderes übrig als den Einbau auf die Rückkehr nach Windhoek zu verschieben.

Nelsons Radspur zog schon bei der letzen Tour nach links und wir meinten damals, es liege an der abgebrochen Stabilisatorhalterung. Obschon wir sie dann kurz vor unserer Rückkehr in Swakopmund anschweissen liessen, hat sich der linke Vorderreifen immer mehr schräg abgenutzt. Nach fast 7‘000km war das Profil so stark abgenutzt, dass wir es nicht wagten demnächst damit viel Schotterpiste zu fahren.

Also mussten wir die Spur einstellen lassen und zwei neue Reifen kaufen. Die Spur liessen wir wieder bei Eddy justieren und die Reifen holten wir uns bei Namibia Tyres. Die letzten hatten wir dort vor 2 Jahren für je etwas über 2‘000 N$ bekommen, nun waren sie 3‘570 N$ ganz schön happig.

15. bis 17.02.2018 Windhoek

Plötzlich kam am Donnerstag Bewegung in die Zustellung der Gasdruckfedern. UPS meldete Donnerstag, dass die Sendung in Johannesburg angekommen sei. Es blieb zu hoffen, dass sie dort nicht zu lange liegen bleib.

Am Freitagmorgen hiess es die Federn sind bereits in Windhoek und warten auf die Bezahlung der Verzollungskosten. Am Nachmittag rief uns Berti an, der Einbau kann bei ihm am Samstag gemacht werden. Wir staunten ganz schön, damit hatten wir nicht gerechnet.

Am Samstag waren wir um neun bei Savanna Car Hire. Oder wie unsere Frau-GPS sagt „Sav Anna Kar Hiire“. Bertis Mechaniker machten sich gleich daran die Südafrikanischen Federn aus zu bauen, was sehr flott vor sich ging. Der Einbau der neuen ging etwas länger, aber immer noch recht schnell. Dann kam der spannende Moment ob die Entscheidung  die Gasdruckfedern mit 900 Newton auf zu pumpen richtig war. Beim ersten Satz aus Deutschland waren 2‘000 N deutlich zu viel, aber die südafrikanischen mit 600 N zu schwach. Hurra, 900 N war richtig. Zum Glück, denn im südlichen Afrika könnte man sie nicht mehr aufpumpen, weil dieses Kaliber nicht in die Pumpvorrichtung passt.

Wir sind froh, dass die Federn doch noch rechtzeitig gekommen und dass bei Savanna Car Hire so spontan und unkompliziert geholfen wurde. Ein grosses „Danke schön“ an Berti Ham und seine Mitarbeiter.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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