Wieder einmal eingestaubt

21.10.2017 Tsauchap – Duwisib-Castle

980km

Jeden Tag ist im Verlauf des Vormittags der Wind aus Südwest aufgekommen. In dieser Nacht fing es so gegen vier Uhr herum an heftig aus Nordost zu blasen. Beim Frühstück wurden das Essen, das Trinken und wir mit Sand paniert.

Von der Tsauchab Lodge fuhren wir nach Sesriem und wollten von dort zu den roten Dünen des Sosusvlei. Das restliche Stück der D854 war nicht mehr so schlimm wie der gestrige Teil. Nur noch Wellblech, und das auch nur teilweise. Mit Rückenwind kamen wir recht gut vorwärts. Als wir dann auf die C19 abbogen musste sich Nelson ganz schön gegen den Wind stemmen, der von vorne rechts kam. Emanuel musste mit dem Lenkrad die ganze Zeit dagegen halten, was sehr anstrengen war.

In Seriem tobte ein Windsturm das der Sand nur so durch die Gegend flog. Über den Dünen konnten wir eine rote Wolke sehen. Es war erst elf Uhr und zu den Dünen zu fahren machte keinen Sinn. Wir bedauerten die Bus- Touristen, die den gebuchten Ausflug zu den Dünen nun vermummt antreten mussten. Dazu hatten wir keine Lust und beschlossen weiter nach Duwisib-Castle zu fahren. Trotz Wind genossen wir die Fahrt auf der C27 durch die Namibwüste.

Beim Duwisib-Castle Restcamp, vor der Reception konnte Emanuel die Fahrertüre weder von innen noch von aussen öffnen. So kletterte er eben über den Beifahrersitz nach draussen. Und natürlich sassen da Gäste auf der Terrasse und hatten was zum gucken. Auf den Schüttelpisten hatten sich die Schrauben der Türverriegelung gelöst. Zum Glück bekamen wir auch noch einen Campingplatz.

Der Platz war ziemlich stark belegt, unter anderm durch einen ROTEL Bus mit Anhänger. Das sind diese roten rollenden Hotels, wo die Gäste wie in Schubladen einen Schlafplatz im Anhänger haben. Darin befanden sich etwa zwei Dutzend Leute. Bus, Anhänger und Tische wurden so aufgestellt dass man sich noch knapp an den Fahrzeugen vorbeidrücken konnte um zur Toilette zu gelangen. Der Weg durch den Campingplatz war nicht mehr befahrbar. Obschon nur je zwei Toiletten und zwei Duschen zur Verfügung standen gab es kein Gedränge. Da die Reisenden alles ältere Semester waren gab es auch keinen Lärm.

22.10.2017 Duwisib-Castle – Aus

Weiter ging’s auf Piste. Seit kurz hinter Walfisbay fuhren wir nicht mehr auf Teerstrasse. Auf den ersten 120km begegneten wir nur vier Autos. Am Samstag hat es halt weniger Verkehr, dachten wir. Aber dafür konnten wir die beeindruckende Landschaft  der C27 und auch später auf der C13 bestaunen.

Wenige Kilometer bevor wir die geteerte B4 erreichten standen drei Fahrzeuge auf der Piste und mehrere Leute liefen etwas planlos herum. Ein Renault Duster hatte sich offenbar überschlagen. Das Dach war ziemlich eingedrückt und das ganze Fahrzeug sah etwas unförmig aus. Wir hielten an um zu fragen ob wir helfen könnten. Konnten wir aber nicht und so fuhren wir weiter.

In Aus wollten wir tanken und am Geldautomat Namibia-Dollars holen. Der Laden, in dem der einzige Notenspeier steht, war aber zu unserem Erstaunen zu. Der Tankwart erklärte uns die Besitzer seien in der Kirche. Kirche, am Samstag? Aber es war halt Sonntag und da geht man hier zum Gottesdienst. Zum Tanken hatten wir zum Glück noch genug Bares, denn Kreditkarten werden hier nicht akzeptiert. Wir fuhren noch die wenigen Kilometer bis nach Klein Aus Vista um einen Campingplatz zu bekommen. Leider war der aber bereits ausgebucht. Also wieder zurück nach Aus, denn dort gab es noch das Heaven Rest Camp und das Hotel Bahnhof. Denn es war Zeit für Kaffee und Kuchen. Allerdings entschieden wir uns ausnahmsweise für Toasted Sandwiches. Hier trafen wir dann das holländische Paar, das sich um die Verunfallten des Dusters gekümmert hatte. Von ihnen erfuhren wir das die Beiden viel Glück hatten, denn nach dem sich der Wagen viermal überschlagen hatte, sind sie ohne offenkundige Verletzungen aus dem Wagen gestiegen. Die Holländer brachten sie in die kleine Klinik im Ort, wo sie untersucht wurden. Allerdings können sich die Symptome eines Schleudertraumas auch erst später bemerkbar machen.

Leider kommen solche Unfälle auf Pisten mit unerfahrenen Touristen immer wieder vor. Wenn man bei überhöhter Geschwindigkeit in weichen Sand gerät wird man oft in eine unerwünschte Richtung gezogen. Oft geraten die Fahrer in Panik und versuchen zu heftig zu korrigieren. Wenn dann die zu stark eingeschlagenen Räder wieder Griff auf der Schotterpiste haben, überschlägt sich der Wagen. Viele Europäer meinen, sie seien durch Schnee und Eis auf solche Situationen vorbereitet. Bei tiefem Sand rutscht man aber nicht, es zieht einen.

Nach der Kirche bekamen wir einen Platz im Heaven Rest Camp – was für ein grossartiger Name für einen etwas heruntergekommenen Platz direkt an der Durchgangsstrasse. Aber es gab Wasser und Toiletten und ein Hundegebell- Konzert die halbe Nacht für N$ 170.

23.10.2017 Aus – Lüderitz

Gegen Morgen wurde es ziemlich unruhig. Anscheinend war das auch der Sammelplatz der Taxigäste.

Wir standen nicht sehr früh auf denn heute wollten wir zum nur 120km entfernten Lüderitz fahren. Dies war eine Fahrt auf Teerstrasse, aber Staub hatten wir dann später noch genug. Die meiste Zeit fuhren wir durch weite, trockne Ebenen die sich leicht zum Atlantik hinunter neigt. Erst kurz vor Lüderitz sahen wir dann die Wanderdünen die immer wieder bis auf die Strasse kommen. Man bemüht sich mit dem Bagger diese immer wieder zurück zu schieben.

Unterwegs wurde es an diesem Tag nie so richtig heiss und je näher wir zur Küste kamen kühlte es noch mehr ab und auch im Ort wehte eine sehr steife Brise. Eigentlich wollten wir hier nicht campieren. Im Nest Hotel bekamen wir leider kein Zimmer, aber dafür beim B&B Zur Waterkant. Hier waren wir vor vier Jahren schon und die damaligen Besitzer, wollten uns das Gästehaus verkaufen. Die beiden Hamburger waren schon ziemlich alt und gesundheitlich nicht mehr die fittesten. Jetzt führt Charlotte das Etablissement. Sie hat uns auch gleich angeboten im Nest Hotel einen Tisch fürs Abendessen zu reservieren, was wir gerne annahmen. Wir haben uns auch diesmal da wohl gefühlt.

Wir schauten uns den Campingplatz auf Shark Island mal an. Wir stellten fest dass eine Übernachtung im B&B eine vernünftige Wahl war. Man konnte da kaum Aufrecht stehen denn trotz grossen Felsenbrocken gab es kaum einen weniger windigen, geschweige denn windfreien Platz.

Dann kurvten wir noch ein wenig durch den gesichtsträchtigen Ort. Es war ja der erste der deutschen Kolonie Südwestafrika. Gegründet durch einen Kaufmann der hier Handel betrieb. Später wurde dann bei Kolmannskuppe der erste Diamant gefunden, was zu einem grossen Run nach den Edelsteinen führte. Heute ist Kolmannskop eine Geisterstadt, die es sich lohnt zu besuchen. Da wir das aber schon bei einem früheren Besuch gemacht haben liessen wir das diesmal aus. Ein riesiges Gebiet an er Küste entlang, von hier bis an die Südafrikanischen Grenze ist noch heute Sperrgebiet, hier wird auch noch nach Diamanten gegraben.

Wir hatten noch genügen Zeit zum Diaz Point zu fahren wo der portugiesische Seefahrer und Weltenentdecker Bartolomeo Diaz Anno da zumal, ein Kreuz aufstellen liess.

Im Hintergrund der Diaz Point

Das Original haben sich übrigens die Südafrikaner unter den Nagel gerissen, heute steht hier nur eine Kopie. Dann fuhren wir zur Grossen Bucht, machten aber immer wieder kurze Abstecher zu kleinen Buchten. Hier fuhren wir wieder nur auf Pisten, also doch noch Staub im Nelson und der Wind blies immer noch ziemlich stark.

Das Nachtessen im Nest Hotel war ausgezeichnet und das hat sich offensichtlich herum gesprochen. Es war rappelvoll.

24.10.2017 Lüderitz – Klein Aus Vista

Nach einem ausgiebigen Frühstück, verabschiedeten wir uns von unserer Gastgeberin. Einkaufen und tanken mussten wir noch und dann machten wir uns auf nach Aus. Unterwegs hielten wir noch bei Kolmannskop an, machten aber nur von aussen ein Foto und fuhren weiter. Einen zweiten Stopp machten wir noch bei einem Gebäude, möglicherweise einem alten Bahnwärterhäuschen. Dieses war Christine schon bei der Hinfahrt aufgefallen. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte…..

Die 120km bis Aus hatten wir bald einmal hinter uns gebracht, aber kurz vor dem Ort fuhre wir ab zur Klein Aus Vista Lodge und fragten nach einem Zeltplatz. Diesmal hatten wir Glück und bekamen noch einen Platz. Dort stellten wir nur unseren Tisch und die Stühle auf und fuhren zum Hotel Bahnhof, diesmal aber für Kaffee und Kuchen J. Als wir wieder auf dem Camping ankamen waren wir immer noch die einzigen, aber so nach und nach füllte sich der ganze Platz. Am Abend, als wir schon im Bett wurde dann noch der neunte und letzte Platz belegt.

Vorher sassen wir aber gemütlich nach dem Nachtessen unter einer Akazie an unserem Lagerfeuer. Mit der Zeit wurde es aber ungemütlich weil irgendwelche Viecher uns an den Beinen oder im Nacken herum krabbelten. Mit der Zeit fanden wir heraus, dass viele kleine Raupen vom Baum vielen.

Ansonsten verbrachten wir eine ruhige Nacht und am Morgen schien die Sonne an unser „Pennhouse“, so das uns die Wärme  aus dem Bett trieb.

25.10.2017 Klein Aus Vista – Quivertree Forest Rest Camp

Wir fuhren weiter nach Osten. Hinter Keetmanshoop bogen wir ab zum Mesosaurus Farm Campsite. Dort war aber niemand am Empfang, nur ein paar Gäste warteten da, auf wen oder was auch immer. Da es gerade die so genannte „Farmerzeit“ (Siesta) war machten wir eine Erkundungsfahrt auf dem Gelände. Auf dem Weg, der laut Beschilderung zum Bush Camp führen sollte, waren zwei geschlossene Gatter. Aber nicht einmal das „No Entry“ Schild hielt uns davon ab weiterzufahren. Nach 3km üblem Feldweg kamen wir an. Die Plätze waren schon eher Bush Camp mässig, aber es hatte wenigstens rudimentäre Toiletten und Duschen. Aber irgendwie machte uns das nicht so richtig an.

Also fuhren wir wieder ein Stück Richtung Keetmanshop zurück und fragten beim Quivertree Forest Camp nach einem Platz. Da waren wir schon, aber dass es da so teuer war, daran konnten wir uns nicht erinnern. Im Preis von N$ 450 ist die Fütterung von einem Gepard und der Besuch des Giants Playgrounds inbegriffen. Beides haben wir schon gesehen und verzichteten drauf, was aber ohne Einfluss auf den Preis blieb. Dafür machten wir im namengebenden Köcherbaumwald noch einige Bilder.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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