Wir fahrn, fahrn….

31.05.2017 Warmbath – Delareyville

Und es wurde kalt, wir schalteten am Abend zum ersten Mal auf dieser Reise unsere Standheizung ein und deckten uns zusätzlich mit unserer schönen warmen Flauschdecke zu. Vor dem Aufstehen wurde die Heizung, dank Fernbedienung, vom Bett aus eingeschaltet.

Da wir etwas früher als am Vortag aufgestanden sind haben wir drinnen gefrühstückt, denn um diese Zeit gab es noch keine Sonne  auf unserem Platz.

Um neun waren wir soweit um die heutige Strecke von etwa 450km unter die Räder zu nehmen. Zuerst fuhren wir bei mässigem Verkehr auf der N1 Richtung Süden. Zwischen Pretoria und Johannesburg wurde der Verkehr dichter und diese Autobahn wurde zur N14 was für uns genau richtig war. Von da ging es dann nach Westen. Aber bald war es keine Autobahn mehr, nur hie und da wurde die Strasse noch dreispurig. Bis nach Krugersdorp, das man grossräumig umfährt war die Gegend halb Industrie- halb Agrarzone. Die Landschaft flach, bis zum Horizont trockenes Gras, wenig Büsche. Uns hat das nicht so gefallen. Danach war es nur ein wenig besser weil halt um diese Jahreszeit alles vertrocknet ist. Auf einer Seite der Strasse dürre Maisstengel und auf der anderen dürre Grashalme. Alles .graubraun. Gelegentlich brachten verblühte Sonnenblumenfelder etwas Abwechslung in die Landschaft. Also Grünbraun. Zuerst waren noch viele Lastwagen unterwegs, von denen wir einige überholten. Das ist bei einem linksgesteuerten Fahrzeug im Linksverkehr nicht ganz einfach. Der Beifahrer muss sagen ob man überholen kann oder nicht. Zudem fuhren wir die ganze Zeit auf einer Meereshöhe, bei der Nelson von seinen 105 PS noch einiges an Kraft einbüsste. Mit der Zeit wurde der Verkehr zum Glück immer weniger.

In Sannieshof, dem letzten Ort vor unserem Tagesziel, sahen wir auf und neben der Strasse dass kürzlich Reifen und Kunststoffteile verbrannt worden sind. Das sind deutliche Zeichen dass eine Protestaktion stattgefunden hat. Manchmal werden dann auch gleich noch Schulhäuser und Einkaufszentren angezündet. Wie wir später erfuhren, wurde die Aktion zwei Tage vorher durchgeführt. Es wurde dagegen protestiert, dass zwei Farmer, welche beschuldigt werden, einen 12 jährigen Schwarzen ermordet zu haben gegen Kaution entlassen werden sollten.

https://www.youtube.com/watch?v=rrstcV3LA9M

http://www.timeslive.co.za/local/2017/04/28/No-bail-for-farmers-%E2%80%98race-murder-say-Coligny-residents

In Delareyville fuhren wir zur Pigmy Lodge, einem Farmcamping. Er ist nicht sehr gross, aber da wir die einzigen Gäste waren konnten wir unser Auto stellen wie es uns gefiel.

Wir standen seit langem wieder einmal auf richtig schönem Gras. Die Toiletten waren auch in Ordnung und sauber. Leider war ganz in der Nähe eine Maismühle, die pausenlos Tag und Nacht einen Heidenlärm machte. Es klang wie eine Flugzeugturbine und war gar nicht schlaffördernd.

01.06.2017 Delareyville – Kuruman

Eigentlich hätten wir an diesem Tag nicht früh aufstehen müssen, die Red Sands Lodge bei Kuruman war nur etwa 260 Kilometer entfernt. Aber bei dem Lärm hatten wir trotz der vielen Unterbrüche schon früh „ausgeschlafen“.

Die Nacht war offensichtlich noch kälter als die vorherigen, auf der Mülltonne war eine dünne Schicht Eis. Wir waren froh um unsere Standheizung.

Einen Abstecher zurück zum Ort, denn wir mussten noch tanken. Der Haupttank reichte gerade so für diese Tagesetappe. Im Zusatztank sind auch noch einmal 70 Liter, das verdoppelt unsere Reichweite. Der Tankwart wollte wieder einmal wissen wo wir herkommen. Switzerland kennt er aber nicht. Dass die Schweiz in Europa liegt hilft auch nicht. Als Emanuel ihm erklärt dass Europa nördlich von Afrika liegt, sagt er, er sei halt auch noch nie ausserhalb von Südafrika gewesen. Leider hat Südafrika immer noch viele Einwohner die kaum eine Schulbildung haben. So kommt das Land nicht weiter. Aber mit einem Präsidenten der auch keinen Schulabschluss hat……

Bis zur Red Sands Lodge kamen wir ohne besondere Vorkommnisse. Das Eingangstor hat ein tiefes Rieddach. Wir mussten telefonieren, dass der Lieferanteneingang für uns geöffnet wird. Wir leisteten uns den totalen Luxus. Als erstes mit einer privaten Toilette und einem Nachtessen im Restaurant. Denn wir wussten, dass dort ein offenes Feuer brennt und wir garantiert nicht frieren müssen. Dass Essen war sehr gut, die Bedienung nett, und wir konnten bei einem Glas Wein und ein paar Runden Backgammon den Abend im Warmen ausklingen lassen. Hierher kommen wir wieder.

Die Nacht wurde auch nicht so kalt wie erwartet. Mit unserer Flauschdecke kamen wir sogar ins Schwitzen. Die Standheizung brauchen wir an diesem Abend nicht.

02.06.2017 Kuruman – Keimoes

Wir haben schön gewartet bis die Sonne über den Hügel schien und dann sind wir aufgestanden. Richtig schön ruhig war die Nacht, nur ein paar Schakale haben gejault aber das stört uns nicht, denn das gehört zu Afrika.

Mit 300 Kilometern ist diese Etappe etwa der Durchschnitt der 8 Tage in denen wir von Eiland nach Swakopmund fahren. Diese war aber ziemlich eintönig. Es ging nur leicht rauf und runter. In der Ferne sah man hier und da Mienenhalden. Kurz vor Upington kam noch ein 60 Kilometer langes, schnurgerades Stück. Zum Glück haben wir für solche Fahrten Hörbücher dabei.

In Upington versuchten wir das relativ neue Einkaufscenter zu finden, und fuhren erfolglos kreuz und quer durch den Ort. Wir gaben auf und fuhren weiter zum Tkabies Camping, ebenfalls ein Farmcamping. Da standen wir schon im letzten Oktober eine Woche lang. Aber da war es auch deutlich wärmer als jetzt. Dorien kümmert sich hier um den Platz und erkannte uns sofort wieder. Sie überraschte uns mit selber gemachtem Chutney und Marmelade.

Wir machten ein schönes Feuer für den Braai und sassen dann noch einen Moment draussen, bis es uns dann doch zu kalt wurde.

03.06.2017 Keimoes – Grünau

Wir müssen wieder zurück nach Upington um dann auf der N10 Richtung Namibia zu fahren. Vorher fanden wir aber doch noch die Kalahari Mall wo wir einkaufen konnten. Die nächsten drei Tage kommen wir nur an kleineren Ortschaften vorbei.

Die Landschaft ist ähnlich wie am Vortag ausser, dass hier an vielen (ausgedienten) Telefonstangen Siedlerwebervögel hier riesigen Häuser bauen. Das geht nicht immer gut wie man auf dem Bild sieht neigt sich eine Stange schon ziemlich stark. Manchmal liegen auch ganze grosse Nester am Boden weil das Konstrukt zu schwer wurde.

Der südafrikanische Grenzübergang war schnell passiert. Zu Emanuels Freude nahm hier ein Polizist endlich mal seinen selber gebastelten Swiss-Disk zur Kenntnis und zwar ohne jegliche Beanstandung.

An der Namibia- Grenze mussten wir die Strassentaxe von N$ 579  für den Bus wieder bezahlen. Das ist gut zweimal so viel wie für einen normalen PW. Zudem verfällt diese Gebühr nach 3 Monaten oder wenn das Fahrzeug das Land verlässt. Gleich hinter der Grenze haben wir in Amriesvlei getankt. Hier hat der Liter Benzin nur N$ 11,38 gekostet. In Upington waren es noch ZAR 14,40. N$ und ZAR haben den selben Wechselkurs und man kann in Namibia auch mit dem ZAR bezahlen. Nicht aber umgekehrt.

Grenzübergang nach Namibia

Die Landschaften Namibias begeistern uns jedes mal wieder, aber natürlich gibt es auch hier eintönige Strecken. Das versuchten wir, wie schon in Südafrika,  jeweils mit Hörbüchern zu überbrücken.

Hinter Grünau fahren wir zur White House Farm wo wir schon öfter waren.  Auch da blieben wir nur für eine Nacht.

04.06.2017 Grünau – Mariental

Auch diese Nacht war nicht so kalt wie wir befürchtet hatten. In Namibia werden die Uhren  im Winter eine Stunde zurückgestellt. Das hatte zur Folge dass um halb acht die Sonne bereits auf den Platz schien, denn die Sonne hatte ja schon halb neun.  Diese Zeitumstellung wird übrigens von keinem benachbarten Land praktiziert.

Bald sind wir wieder unterwegs um in gut fünf Stunden und 400 Kilometer nördlich, hinter Mariental auf dem Bastion Farmyard nach einem Platz auf dem Camping zu fragen. Leider waren die vier Plätze schon belegt, aber wir durften trotzdem unseren Bus mitten aufs Gelände stellen. Sogar die Toilette der Angestellten durften wir benutzen. Die nette  Besitzerin wollte kein Geld dafür, aber wir gaben etwas für die Tipbox.

 

05.06.2017. Mariental – Windhoek

Mit 260 Kilometer war diese Tagesetappe eine der kürzesten der letzten Tage auf dem Weg nach Swakopmund.

Wir staunten nicht schlecht als ein PKW uns auf der falschen Seite entgegenkam. Zwar war er noch weit weg, aber wir fragten uns trotzdem was das soll. Als er dann näher kam sahen wir die roten und blauen Blinklichter auf dem Dach, also Polizei. Weiter hinten konnten wir die Umrisse eines grossen Gefährts erkennen, welches fast die ganze Strassenbreite brauchte. Also fuhren wir von Teerstrasse auf den Grünstreifen und harrten der Dinge welche da auf uns zukamen. Dann sahen wir, dass es ein Lastwagen war der einen der Grossmuldenkipper  die in den Tagbauminen und grossen Baustellen benutzt werden, Huckepack transportierte.

Da unser Ziel Windhoek auf etwa 1700M.ü.M. liegt und damit mit einer kalten Nacht zu rechnen war, hat Christine über das Internet im Hotel Uhland ein Zimmer gebucht. Dort angekommen war sie aber sehr enttäuscht, da es überhaupt nicht dem entsprach was sie reserviert hatte. Bei Booking.com hatte das Zimmer ein extra breites Bett und einen Balkon. Unser Zimmer hatte ein schmales Bett und eins 140 x 200, genau die Masse die unseres im Bus-Pennhouse hat. Da haben wir aber links und rechts den Zeltstoff, so besteht kein Risiko heraus zu fallen. Laut Empfangsdame gibt es im Uhland nur ein Zimmer mit einem extrabreiten Bett und das sei schon eine Woche ausgebucht. Balkon hatten wir auch keinen. Die Buchungsmöglichkeiten bei Booking.com scheinen nicht mit dem realen Angebot des Hotels übereinzustimmen. Was soll‘s für eine Nacht wird es schon gehen.

Für das Nachtessen fuhren wir zum Hotel Hilton. Unser VIP-Parkplatz beim Eingang war leider besetzt, aber man wies uns einen Platz direkt daneben an.  Wir schlemmten in der Sushi Bar. Mmmmh, war das wieder fein. Den „Orient Express“ können wir besonders empfehlen

.

6.06.2017 Windhoek – Swakopmund

Die Nacht war dann doch nicht so gemütlich in dem nicht extrabreiten Bett. Zwar ist keiner rausgefallen, aber  irgendwann zog es Emanuel vor, in das noch schmalere zu wechseln.

Nach dem Frühstück (Eier gabs keine, Brötchen waren m 8:Uhr schon alle), wollten wir zuerst einkaufen gehen, aber in Richtung Maerua Mall staute sich der Verkehr schon bei der ersten Kreuzung. Also fuhren wir auf direktem 380 Kilometer langem Weg nach Swakopmund.

Nach Usakos steuerten wir einen Farmstall an um Pies zukaufen und dann noch einmal den Tank zu füllen. Denn die 70 Liter im Haupttank reichen im besten Fall für 320 Kilometer. Im 140 Liter Zusatztank hatten wir zwar noch etwa 45 Liter aber die sind für den Notfall reserviert.

Etwa eine Stunde vor Swakopmund machten wir am Strassenrand in der Wüste eine kurze Pause um unsere Pies zu essen. Nach dem Einkaufen fuhren wir noch kurz zum Meer um Atlantikluft zu schnuppern. Danach wieder 20 Kilometer zurück in die Wüste zum Gut Richthofen wo uns Michael herzlich empfing. Auch seine seine dreibeinige Hündin Shira erkannte uns gleich und erbettelte sich ein paar Streicheleinheiten. Und Hexe, die neue Mischlingshündin wollte auch nicht zu kurz kommen. Die Katzendame Salt strich uns auch noch um die Beine, nur Pepper sahen wir von weitem.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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