Blitz und Donner

16. bis 19.01.2016 Hartenbos

Mit nur 20 Grad und immer noch Wind ein ziemlich kühler Tag. Auch Einheimische fanden, dass das Wetter an der Küste diesen Sommer eher kühler sei als andere Jahre. Am Abend sassen wir mit langen Hosen und Faserpelzjacke im Vorzelt.  Gut, dass wir das letztes Jahr machen liessen, sonst müssten wir die meiste Zeit im Auto drinnen sitzen. So ging es unseren Nachbarn Kiri und Stella. Sie sind mit einem VW-Bus unterwegs und haben einen Pavillon aufgestellt. Da kann man zwar im Schatten sitzen aber bei dem Wind war es ihnen meist zu zugig.

Wie immer boten hier Rastafaris ihre Dienste beim Zelt aufbauen an. Bei dem vorherrschenden Wind und besonders bei älteren Gästen ist dieses Angebot beliebt. Zuerst wurde lange über das Vorgehen mit den Besitzern diskutiert aber dann ging es recht zügig vorwärts. Es wurde bei der Arbeit viel gelacht, aber man sah auch dass sie ihren Job beherrschten.

Beim Strandlaufen kamen wir morgens bei Ebbe oft an Austernfischern vorbei. Sie brechen die Muscheln an den Felsen ab, die nur bei tiefstem Wasserstand zu sehen sind. Die Bekleidung der Fischer geht von Short mit Badehose, bis Neoprenanzug, Taucherbrille mit Schnorchel und Bleigürtel. Am letzten Wochenende waren etwa ein dutzend Leute beschäftigt und trugen oder fuhren nach getaner Arbeit grosse Säcke voll der beliebten Delikatessen weg.

Wir beobachteten zwei Männer, die ein mit ca. 10 grossen Säcken beladenes Fahrrad durch den Sand zu schieben versuchten, wobei ihnen die Fracht alle paar Meter vom Velo zu fallen drohte. Es war ein echter Krampf!

Nachdem sich der Block E im ATKV Zeltplatz am Sonntag ziemlich geleert hatte, kamen immer mehr Rentner. Für diese ist es nun nach der Hochsaison wieder besonders günstig ein, oder mehrere Monate am selben Platz zu stehen.

Aber auch unter diesen hat es nette Nachbarn zum Schwatzen, oder wie die Frau die uns kurz nach deren Ankunft zwei grosse Stücke Wassermelone von ihrer eigenen Farm brachte. Als wir am zusammen packen waren, brachte sie uns noch eine Schachtel Trauben für Unterwegs.

Bei dieser Gelegenheit fragte eine andere Frau und ob wir letztes Jahr im Krüger National Park waren. Wir verneinten aber sie war fest überzeugt, dass sie unser Fahrzeug dort gesehen hatte. Wir vermuteten, dass es vorletztes Jahr war. Typisch war aber dass sie uns erst kurz vor der Abfahrt fragte. Wir haben das schon oft erlebt. Viele Afrikaans Sprechende haben Hemmung englisch zu reden, aber im letzten Moment überwiegt die Neugier und sie stellen uns allerhand Fragen nach dem woher, wohin, wie lange und wo es uns am besten gefallen hat.

20.01.2016 Hartenbos – Kuilsrivier

Wir hatten unser Tagesziel offen gelassen, denn die Strecke bis in die Gegend von Stellenbosch ist etwa 370 Kilometer lang und wir hatten uns die Option überlegt anstatt alles auf der N2 zu fahren, bei Swellendam im Buntebok Park zu übernachten und am nächsten Tag zur Küste zu fahren und so die schönere Route zu machen. Bis Swellendam haben wir nur dreimal angehalten. Zum tanken, in Albertinia bei Alcare und um eine Pie auf einem Rastplatz zu essen. Kurz vor Swellendam beschlossen wir doch auf der N2 weiter zu fahren.

Auf der Strecke sahen wir verschiedene Stellen wo es in den letzten zwei Wochen gebrannt hat. Bei unserer Hinfahrt waren die Büsche und Bäume noch intakt. Nun war vieles verkohlt und an einem Ort rauchte es auch noch.

Wir kamen recht gut voran, erst kurz vor dem Sir Lowry’s Pass entstand ein Stau weil ein Lastwagen noch mehr Mühe hatte als Nelson der Berg zu überwinden.

In Stellenbosch kauften wir noch das notwendigste ein und kamen dann um etwa halb sechs auf dem Mountain Breeze Camping an. Das Managerehepaar begrüsste uns freudig und wir konnten uns einen Platz aussuchen. Da es Freitag war hatten wir nicht viel Auswahl, aber unsere Wahl war Nummer 53 welches sich am nächsten Tag als schön sonnig heraus stellte. Das ist hier nicht die Regel weil die hohen Pinien viel Schatten machen. Der Abend war aber recht kühl und windig was uns etwas enttäuschte, dachten wir doch diesem Wetter entkommen zu sein.

21. und 22.01.2017 Mountain Breeze

Am Samstag vormittag besuchten wir den Markt bei Oude Libertas und kauften dort bei Arnold’s Backstube feinen Kuchen. Die Bäcker sind Deutsche und der extrem gute Kuchen findet reissenden Absatz, nicht nur bei den Landsleuten die in Stellenbosch ja reichlich vorhanden sind. Mhmmmm…. lecker. Auf der Kaapzicht Weinfarm füllten wir unseren „Weinkeller“ auf. Unsere Rundfahrt führte uns auch zur Anura Farm wo es guten Käse gibt. Und dann war unsere Delikatessen-Einkaufstour zu ende. In Franschhoek besichtigten wir den Campingplatz „Hollansche Molen“, wo uns vor Allem das grosse Schwimmbad gefallen hat. Ansonsten ist es eine sehr grosse Anlage und laut und „busy“. Vielleicht ist es ausserhalb der Hauptsaison besser.

Für den Sonntag Abend hatten wir uns schon vor der Fahrt nach Hartenbos Tickets für „Nelson Mandela, The Song Lives On“ besorgt.

Das war eine erstaunliche Veranstaltung. Vier Musiker und eine Sprecherin, haben sich mit Aussagen und Ansprachen Nelson Mandelas auseinandergesetzt und diese mit Unterstützung von Monitoren musikalisch umgesetzt. Auf den Bildschirmen wurden Texte des ersten, schwarzen Präsidenten Südafrikas und Bilder von Land und Leuten gezeigt.

Der Initiant des Projekts, Condcord Nkabinde, hat viel erklärt und auch ziemlich klar gesagt, dass er von den südafrikanischen Wählern erwartet dass sie ihre Stimme bei der nächsten Wahlgelegenheit besser einsetzen sollen.Es war eine eindrückliche, nonstop, zweistündige Darbietung, welche uns auch einige neue Facetten Mandelas zeigte.

Südafrika braucht mehr solche Leader, was es zur Zeit hat ist das pure Gegenteil. Scha(n)de.

Bei Youtube gibt es einen Film darüber HIER ANKLICKEN.

 

23. und 24.01.2016 Mountain Breeze – Kuilsrivier

In Hartenbos hatte Emanuel einen Blick unter den Bus geworfen und dabei festgestellt, dass beim Motor der Unterfahrschutz fehlt.

Das ist vermutlich die Folge des Schadens der in der Swakopmunder Werkstatt an Nelson gemacht wurde. Entweder dort oder in Windhoek beim austauschen des defekten Kühlers wurde dieser Schutz nicht mehr montiert. Mails an beide Firmen haben leider keine Antworten ausgelöst.

Über Mitglieder des südafrikanischen Overland-Forum haben wir die Adresse der Firma Brunco bei Bellville erhalten, welche uns einen Ersatz machen könnte. Dorthin sind wir an diesem Tag gefahren und haben dem Chef das Problem gezeigt. Er war recht zuversichtlich, dass sich da etwas machen lässt, aber die nächsten zwei Tage sei er total ausgebucht. Er erklärte, dass er den Wagen brauchen würde. Aber da wir ja darin wohnen, machte er uns einen andern Vorschlag. Am Mittwoch würde er aus Pappe ein Muster machen und dann ein Blech biegen und schweissen, welches wir dann voraussichtlich am Donnerstag abholen könnten. Das war uns dann schon lieber und so vereinbarten wir am Mittwochmorgen wieder zu kommen. Da der Avatara Camping sich nur etwa 10 Minuten von der Werkstatt entfernt befindet, beschlossen wir, dort um einen Platz anzufragen. Das klappte auch und wir konnten bis nächsten Sonntag buchen.

Am Folgetag war der Himmel am Morgen schon bewölkt und ausser ein paar Aufhellungen blieb es auch so. Am Nachmittag gab es auch noch ganz wenig Niederschlag.

25.01.2017 Kuilisrivier

Wie vereinbart fuhren wir am Mittwochmorgen zu Brunco, wo sie sich auch gleich an das Anfertigen eines Kartonmusters machten. Der Chef Hein Brunett erklärte ihnen was wir am Montag besprochen hatten und nach einiger Zeit war die Vorlage fertig.

Wir sollten  am Nachmittag wieder  kommen um die Befestigungspunkte direkt am Wagen anzupassen. Bis dann würde man das Frontblech schon mal vorbereiten.

Wir hatten uns für diesen Tag einiges vorgenommen, und dabei hatte sich Christine eine fiebrige Erkältung eingefangen. Ihr ging es gar nicht gut.

Als Nächstes fuhren wir nach Deeprivier zu Cristys Sport wo man uns letztes Jahr das Vorzelt gemacht hatte. Die Nähte mussten an der Sonnenstore gedichtet und ein kleines Loch „gepatcht“ werden. Wir kamen erst kurz vor Mittag dort an und eigentlich hätten sie an dem Tag auch keine Zeit. Für die nächsten Tage war aber Regen und Gewitter gemeldet, so dass wir die Plane  nicht länger dort lassen wollten. Wir konnten uns dann doch noch einigen, dass die Arbeiten bis 15:00 Uhr erledigt würden. Wir mussten ja dann wieder zurück nach Belleville. In der Zwischenzeit fuhren wir nach Muizenberg wo wir uns mit einem kleinen Snack an die Strandpromenade setzten. Hier konnten wir den Surf-Schülern bei ihren Wellenreitversuchen zuschauen. Der Wind blies hier aber so heftig und kalt, dass wir es nicht so lange aushielten. Wir fuhren ein Stück weiter der False Bay entlang, wo wir mit dem Bus direkt am Meer stehen konnten. Da sahen wir den Wellen und den Möwen zu. Und Christine konnte ein bisschen schlafen.

Etwa ein halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit waren wir wieder bei Cristys. Die Plane sei bereit, wir könnten sie mitnehmen. Zu Sicherheit prüfte Emanuel die Arbeit. Die Nähte waren gedichtet, aber das Loch nicht mit einem Flick übernäht. Da musste das Ding halt noch mal in die Näherei. Und dann mussten auch diese Nähte noch abgedichtet werden. Bis alles trocken war dauerte es auch noch eine Weile. Zum Glück waren wir eine halbe Stunde früher da.

Dann so schnell wie Nelson konnte und die Polizei erlaubt ab nach Belleville. Bei Brunco machten sich die beiden Mitarbeiter gleich daran die vorbereitete Frontplatte anzuschrauben und die Verbindungen zu den hinteren Befestigungspunkten abzumessen, zu biegen und zu schweissen. Der Chef kam immer wieder vorbei und kontrollierte die Arbeiten.

Das Ganze wurde noch grundiert und mit schwarzer Farbe gesprayt. Nun konnte das Fronschutzblech montiert werden.

Zwei Mann hatten insgesamt mindestens drei Stunden daran gearbeitet und es hat etwa Sfr. 227 gekostet. Wir sind auf jeden Fall froh dass unser Motor wieder einen Schutz hat.

Die Plätze auf Avatara sind seit neustem mit  Zementsteinen ausgelegt, deshalb fragte Emanuel nach der Bohrmaschine. Ohne diese kann man Heringe nicht gut einschlagen. Erstaunt wollte man von ihm wissen warum er die brauche, wir waren ja schon ein paar Tage da. Unsere Wetter-Apps hatten für die Nacht Gewitter gemeldet, was im Moment mit dem wolkenlosen Himmel sehr unwahrscheinlich schien. Trotzdem wollten wir unser Vorzelt komplett schliessen.

26.01.2017 Kuilsrivier

Der Abend hatte noch keinen Regen gebracht. Später in  der Nacht konnte man fernes Donnergrollen hören was aber nicht merklich näher kam. Ganz plötzlich setzte der Regen ein und kurz darauf war der Abstand zwischen Blitz und Donner nur noch wenige Sekunden. Dann blitze und knallte es gleichzeitig, vermutlich war der Blitz in den etwa 50 Meter von uns stehenden Starkstrommast eingeschlagen. Anschliessend schüttete und schüttete es sintflutartig. Da wir wussten wie prekär zur Zeit die Situation um die Wasserstände in den Stauseen ist, wollten wir uns nicht beklagen.

Als es dann einmal aufhörte war es schon Tag. Der Boden im Vorzelt war ziemlich feucht, weil das Wasser zwischen den Zementsteinen nicht gut abfliessen konnte. Wir entfernten die Front des Vorzelts wieder damit das Groundsheet besser trocknen konnte. Mit der Zeit lockerten sich die schnell vorbei ziehenden Wolken auch noch etwas auf. Mit der Compact Camera machte Emanuel Intervall-Fotos, jetzt kann man bei Youtube sehen wie diese im Zeitraffermodus vorbei huschen.

Advertisements

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika zu "erfahren". Wir machen aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
Dieser Beitrag wurde unter Afrikareise, Südafrika veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Blitz und Donner

  1. Alfred und Margrit Zeller schreibt:

    Hallo zäme, Ich habe den Nostalgie Reisebericht mit Interesse gelesen und finde ihn sehr gut!
    ich konnte die Reise gleich nochmal erleben… auch Eure andern Reiseberichte lese ich immer mit grossem Interresse und ich finde es schön, dass wir an euren Erlebnissen teilhaben können.
    Wir wünschen Euch weiterhin viel Freude und gutes Reisen! Liebe Grüsse M + F

    • Swissnomads schreibt:

      Liebe Margrit, lieber Fredy
      Danke für den Kommentar. Es freut uns immer zu hören, dass unser Geschreibsel gut ankommt. Wir lassen Euch und alle andern gerne an unseren Erlebnisse teilhaben.
      Herzliche Grüsse
      Emanuel und Christine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s