Ein falscher Polizist und viele echte Polizisten

21.06.2015 Norma Jean’s Lakeview Resort – Leopard Rock Hotel bei Mutare

Das Abendessen gestern war sehr fein, liebevoll zubereitet und freundlich und aufmerksam serviert. Auch gut gefrühstückt haben wir im Restaurant damit wir etwas Zeit gewinnen, denn wir hatten an diesem Tag eine Strecke von fast 400 Kilometern vor uns. Das sind fast 6 Fahrstunden, ohne grosse Pausen zu machen.

Kaum hatten wir Masvingo hinter uns gelassen, überholte uns ein weisser PW und blieb auf unserer Höhe und der Fahrer in Uniform? machte Zeichen anzuhalten. Als wir auf dem Randstreifen standen, rief er uns zu dass er sich hinter uns stellen würde und den Fahrausweis sehen wollte. Wir warteten, aber er stieg nicht aus seinem Fahrzeug aus, sondern gab durch hupen zu verstehen, dass Emanuel zu ihm kommen soll. Er hielt ihm einen unlesbaren angeblichen Polizeiausweis unter die Nase. Die angebliche Verkehrsübertretung bestand darin, im Ort an der Ampel eine Doppellinie überfahren zu haben. Emanuel konnte sich das nicht erklären, da wir durch den Ort alles geradeaus gefahren sind und er nirgends eine Doppelline gesehen hatte. Der „Polizist“ meinte wir können mit ihm zurückfahren um die Doppellinie zu sehen und dann zum Polizeiposten fahren. Dort würde er dann gebüsst. In den Ort zurückfahren wollte Emanuel nicht, aber er erklärte sich bereit zum Polizeiposten zu fahren. Als er zum Bus zurückkehren wollte, rief ihn der Polizist zurück und meinte die Busse von $20 könne gleich bei ihm beglichen werden. Emanuel aber wollte zum Polizeiposten. Plötzlich fand der „Polizist“ es sei in Ordnung wir könnten weiter fahren.

Dieser Typ ist berüchtigt und ist in diversen Foren schon aufgetaucht. Diese Masche wendet er vor allem am Wochenende an und behauptet meist noch, die Busse muss noch von einem Richter festgelegt werden und das könnte frühestens am Montag geschehen. Wenn man aber gleich bezahlen würde könnte man gehen.

Uns schien sein Verhalten zu zeigen, dass er kein Polizist ist, sondern nur so auftritt. Er fährt alleine in einem zivilen, weissen und rostigen PW, stellt seinen Wagen hinter den angeblichen Delinquenten und steigt nicht aus seinem Auto aus.

Sonst war die lange Fahrt ziemlich ereignislos, wenn man von den insgesamt 8 Polizeikontrollpunkten absieht. An 6 wurden wir vorbei gewunken und zweimal wollte man das TIP, Temporary Import Permit, für den Bus sehen.

In Mutare bogen wir ab zu den Vumba-Bergen. Hier wollten wir ein Zimmer suchen, was aber nicht so einfach war. Das erste gefiel uns nicht besonders und die nächsten zwei waren ausgebucht. Da waren wir aber schon ziemlich lange den Berg rauf und runter gefahren und hatten dabei sogar über 1‘700 Meter über Meer erreicht.

Wir kehrten darum erst mal bei dem legendären Tony Robinson ein um von seinem berühmten Kaffee und Kuchen zu probieren. Uns wurde ein Besuch bei ihm wärmstens empfohlen und diese Empfehlung können wir 100%zig weiter geben. Es gab eine etwa 1m lange handgeschriebene Menükarte, und Tony erklärte jedes Teil ausführlich. Zum Schluss waren wir so klug wie zuvor! Es gab 6 verschiedene Kuchen, alles Tony’s Eigenkreationen. Dazu kann man ganz besonders gewürzten Kaffee oder heisse Schokolade- ebenfalls mit verschiedenen Gewürzen- bestellen. Dann sind da noch etwa 30 verschiedene Tees und Limonaden. Die zwei Kuchen die wir hatten waren einfach bombastisch. Kaffee und Rahm wurden uns ohne Aufpreis zweimal nachgeschenkt. Tony bewirtet seine Gäste übrigens in einem Teil seiner Wohnung und kümmert sich um jeden einzelnen. Das macht natürlich eine ganz besondere persönliche Atmosphäre.

Danach machten wir noch einen Versuch beim Leopard Rock Hotel, dem luxuriösesten Haus der Umgebung und einst eins der vornehmsten Hotels Simbabwes. Hier blieben wir zwei Nächte. Bei Tony waren Gäste, die gerade von dort kamen und uns das empfohlen haben. Wir bekamen ein schönes Zimmer mit einem kleinen Balkon und Blick in den Park. Es hatte noch recht viele Gäste da, vor allem Golfer mit ihren Familien. Nachtessen war in einem grossen Speisesaal dem ein neuer Anstrich gut getan hätte und die Spinnweben an der Decke sollten auch einmal entfernt werden. Dafür gab es life musik. Das Essen war ein „Dreigänger“ und in Ordnung, aber nichts Ausserordentliches, obwohl das Restaurant im Reiseführer sehr gelobt wird- aber der ist auch schon 4 Jahre alt. Und hier ändern sich die Dinge sehr schnell!

 22.06.2015 Leopard Rock Hotel

Das Luxus Hotel, in dem zu seinen Glanzzeiten Prinzessin Diana und die Queen abgestiegen sind, hat, wie so vieles in diesem Land, viel von seinem Glanz verloren.

Es sind Kleinigkeiten, aber für ein Haus dieser Preisklasse doch auffällig. Der Lift funktioniert scheinbar schon länger nicht mehr. (Dabei ist es noch ausgerechnet einer von Schindler). Das Management hat auf einem Zettel an der Lifttüre darauf hingewiesen dass die lokale Niederlassung der Schweizer Firma US$ 65‘000 für die Reparatur verlangt und empfiehlt den Gästen, falls nötig, gescheiter einen Otis Aufzug zu kaufen. Der Frotteetuchwärmer in unserm Badezimmer hat auch schon längst den Geist aufgegeben. Fernseher gibt es auch keinen mehr, weil angeblich auf ein anderes System umgestellt wird. Das sind Sachen die wir nicht unbedingt brauchen, die aber eigentlich zum Standard gehören. Das Personal aber ist sehr höflich und zuvorkommend um die Gäste bemüht. Es gibt im Hotel auch einen kleinen Laden in dem es fast nichts zu kaufen gibt. Er wird von einer älteren weissen Dame geführt. Wir gingen mal kurz hinein um zu schauen und kamen über die dort stehenden Proteas ins Gespräch. Sie erzählte uns, dass sie enteignet worden sind und nur ein kleines Stück Land behalten durften. Auf diesem bauen sie jetzt Proteas und andere Blumen zum Verkaufen an. Weil vieles von dem verteilten Land jetzt brach liegt und die meisten der neuen Besitzer das know how eine Farm zu führen, nicht haben, spricht man davon einen Teil den ursprünglichen Besitzern zurück zu geben. Nur, wer will das jetzt noch? Die Alten sind zu alt und die Jungen haben sich in England oder Australien eine Existenz aufgebaut.

Wir fuhren nach dem Frühstück los um den berühmten botanischen Garten der Vumba Berge zu besichtigen. Es war ziemlich enttäuschend, was es da für den stolzen Preis von $10 pro Person zu sehen gab. Das Beste waren die Kamelienbüsche mit roten und weissen Blüten.

Nach einem Rundgang durch das dschungelartige Gelände, hatten wir es dann aber gesehen.

Danach beschlossen wir eine Rundfahrt durch das Burma- und Essex Valley zu machen. Im Reiseführer steht, die Leute dieser Täler seien abweisend und zuweilen sogar aggressiv. Es wird sogar abgeraten dorthin zu fahren. Das ist Grund genug für uns, uns selber ein Bild zu machen. Vieleicht haben uns hier etwas weniger Leute als sonst zugewunken aber Probleme hatten wir keine. Zuerst fuhren wir an vielen Brachfeldern vorbei. Das ist eine Folge der „Landreform“ (Enteignung der weissen Farmer). Dann kamen riesige Bananenplantagen und auch Mangobäume gab es zu Hauf.

In höheren Lagen wurde Kaffee geerntet. Bei einer kurzen Mittagspause sahen wir Frauen die auf dreieckigen Leitern stehend die reifen Früchte ernteten. Auf die Frage ob man sie fotografieren dürfe, willigte nur eine zögerlich ein. Als sie sich aber auf dem Display sah mussten sie doch alle lachen.

Hier war die Strasse schon eine Piste, aber weiter oben in einem Eukalyptusforst war der Weg durch die schweren Holztransporter miserabel. Bei Regenwetter ist dieser lehmige Boden wie Schmierseife und wohl auch mit Allrad schwierig zu befahren. Einige Traktoren und auch Lastwagen mussten wir kreuzen. Jedes Mal hatten wir Glück, dass gerade eine Ausweichstelle zur Verfügung stand.

Aber die Fahrt war interessant, wenn auch, besonders auf der Pistenstrecke, ziemlich anspruchsvoll. Die Leute waren kein bisschen aggressiv, vielleicht etwas zurückhaltender als anderswo. Aber das ist auch keine typische Touristengegend. Wenn im Emmental ein ausländisches Gefährt wie unseres, an einem einsamen Gehöft vorbei fährt guckt der Bauer auch komisch.

Zurück im Hotel setzten wir uns in einen der drei Salons zum wärmenden Kaminfeuer. Das und die kleinen Elektroofen in den Zimmern sind die einzigen Wärmespender im Haus. Auf einem bequemen Sofa sitzend bestellten wir Kaffee und Brownies. Natürlich kein Vergleich mit Tony’s Kreationen, aber der hat Montag und Dienstag leider zu.

Zum Nachtessen waren an diesem Abend nur noch sechs Gäste und es wurde in einem kleineren Speisesaal serviert. Diesmal konnte man „a la carte“ bestellen.

23.06.2015 Leopard Rock Hotel – Norma Jean’s Lakeview Resort

Frühstücken, packen, auschecken und los ging‘s wieder zurück nach Masvingo. Wir sahen wieder viele Polizeikontrollen, aber nur einmal wurden wir angehalten.

Vor und nach der imposanten Birchenough Brücke war die Strasse in einem miserablen Zustand. Mehr eine Piste mit ein wenig Teer, als eine Teerstrasse mit Löchern. Es ist eine Tollroad und wir mussten 2 $ zahlen. Uns nimmt Wunder was mit den Strassengebühren gemacht wird. Die decken wohl kaum den Lohn der Kassierer. Sonst war die Strecke relativ gut und wir kamen gut voran, die 362 Kilometer schafften wir in fünfeinhalb Stunden. Fast Nonstop.

Im Resort wurden wie alte Bekannte empfangen und am Abend kam noch der Besitzer mit seiner Frau Norma Jean auf einen Schwatz vorbei. Den Zeltplatz hatten wir für uns ganz alleine.

24.06.2015 Norma Jean’s Lakeview Resort

Nach den vielen gefahrenen Kilometern der letzten Tage, schalteten wir wieder einmal einen Ruhetag ein. Allerdings war der Vormittag mit Arbeit ausgefüllt. Christine beschäftigte sich wieder mit der Wäscherei (von Hand) und Emanuel musste wieder einmal improvisieren. Beim Öffnen des Hubdachs klemmte irgendetwas. Emanuel kletterte aufs Dach und fand die abgebrochene Schraube, die das Ersatzrad auf der Dachbox festhielt. Es ist ein Wunder, dass es auf der Fahrt nicht herunter gefallen ist. Mit einem Spannset wurde es nun an der Halterung festgezurrt. Die Reparatur muss warten bis wir wieder in Namibia sind.

Am Nachmittag kam eine Gruppe Südafrikaner mit Offroad-Anhängern und Caravans auf den Platz. Diese waren aber nicht an einem Kontakt mit uns interessiert.

25.06.2015 Norma Jean’s Lakeview Resort – Bulawayo

Uns zog es nach Osten, wo wir in Bulawayo einen Zwischenhalt machten bevor wir in die Matopo’s fuhren. Einmal wurden wir von einem Polizisten angehalten. Fahrausweis und TIP gezeigt und gut war‘s. Auf dem Municipal- Camping stand ein Zelt und ein Motorrad. Diese gehören einem englischen Paar, das wir vor einigen Tagen bei Norma Jean’s kennen gelernt haben. Die zwei waren aber nicht da.

Die sanitären Einrichtungen hier sind etwa so wie wir es aus Beschreibungen in diesem Land erwarten. Nicht gerade schmutzig aber ziemlich verlottert. WC- Türen, die nicht abzuschliessen gehen und abends kein Licht. Ein Wachmann patroulierte mit Pistole über den Platz, wir wussten nicht ob uns das beruhigen soll oder nicht.

26.06.2015 Bulawayo – Big Cave Camping Matopos

Unser Tagesziel war nur knapp 50 Kilometer entfernt so hatten wir gut Zeit zum Einkaufen und das Zentrum von Bulawayo zu besuchen. Im Ascot Einkaufscenter fanden wir den TM Supermarkt, der viele Produkte der südafrikanischen Pick’n Pay Kette verkauft. Das Sortiment war gross, nur das Fleischangebot überzeugte uns nicht wirklich. Alles ziemlich fettig.

Im Stadtzentrum fanden wir Häfeli’s Swiss Bakery. Viel Swissness war nicht mehr übrig. Ausser grosse „Züpfe“ gab es nichts was an die Schweiz erinnert. Ach ja, ein paar farbige Fotos von Interlaken und Schweizer Bauernhäusern hingen noch an den Wänden. Wir hatten gehofft hier ein feines, dunkles Brot zu bekommen, aber es gab nur das üblich weisse Toastbrot. Die Cappuccinos die wir bestellten waren fein und Emanuels Appel Crumble auch, aber Christine fand in ihrem eine dünnes Plastikschnürchen was ihr den Appetit verdarb. Häfelis sind sicher nicht mehr da…

Im Craft Shop kauften wir noch Souvenirs und dann kehrten wir zu Neslon zurück.

Die Teerstrasse zu den Matopos wurde immer schmaler bis nur eine Spur übrig blieb. Beim kreuzen mit anderen Fahrzeugen muss man auf den Schotterstreifen ausweichen. Als die Strasse noch zweispurig war trat plötzlich eine hellbraune Kuh aus dem gleichfarbigen, dürren Gras. Unbekümmert, dass wir uns mit etwa 70km7h näherten, überquerte sie gemütlich die Strasse. Knapp vor der Kuh brachte Emanuel den Bus zum stehen. Emanuel teilte dem Vieh seine Meinung mit, was aber wenig Eindruck machte. Sie trottete weiter ohne ihn zu beachten.

Auf dem Big Cave Camping empfing uns Brown und da sonst keine Gäste da waren konnten wir unsern Platz auswählen. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, machten wir eine kleine Wanderung zur Lodge. Sie steht auf den für die Region typischen Rundfelsen. Grosse Brocken sind auch in den Empfangsraum und das Restaurant integriert. Es erinnerte uns an die Cannon Lodge in Namibia.

Schon auf der Fahrt hierher, war der Himmel teils bedeckt und es blies ein starker, kühler Wind. Wir verzogen uns bald mal in unser „Haus“.

 durften wir hinein. Beim Bezahlen wollte Emanuel mit der Rezeptionistin abmachen die 10$ fürs Fahrzeug zu sparen und zu Fuss zu gehen. Das kam aber nicht so gut an. Gesehen haben wir gerade mal fünf Hippos, zwei Krokodile, zwei Klippspringer und etliche Paviane. Um das bisschen zu sehen, mussten wir noch sehr schlechte Pisten in Kauf nehmen.

Auf dem Campingplatz erzählte uns Brown, dass in der Zeit als Simbabwe noch eigenes Geld hatte, die Parkangestellten, die sehr wenig Lohn erhielten, selber gewildert haben, um zu essen zu haben. Und mit dem Verkauf von Horn und Elfenbein an etwas Geld zu kommen. Die Inflation war damals mehrere Tausend Prozent hoch und Banknoten mit immer grösseren Zahlen mussten gedruckt werden. Es gab solche für fünfzig Billionen und sie waren mit einem Verfallsdatum versehen, zu kaufen gab es dafür fast nichts.

An diesem Abend waren wir nicht alleine auf dem Camping, eine Gruppe junger Overlander hat ihre Zelte neben uns aufgestellt.

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Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika zu "erfahren". Wir machen aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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