Ausflug ins Chaos

  1. bis 29.04.2015 Bela-Bela

Wir wunderten uns am Vortag, dass sich der Zeltplatz nicht wie an Sonntagen üblich, leerte. Dann erfuhren wir von unserem Nachbarn Andries, dass am Montag ein Feiertag sei, Freedom Day.

Bis Montagmittag waren dann meisten Plätze schon wieder leer und nach und nach sah es wieder aus wie am letzten Freitagmorgen.

Leider haben auch unsere Nachbarn aus Pretoria zusammen gepackt. Wir haben noch E-Mail-Adressen aus getauscht und wir sind gespannt ob wir noch etwas von ihnen hören. Bis jetzt sind die meisten Kontakte eingeschlafen.

Am Abend hatten wir keine Lust zu kochen, bezw. Feuer zu machen und so gingen wir in das im Resort ansässige Spur Restaurant. Dieses ist vom Indianer Logo bis zur Einrichtung und Dekoration amerikanisch ausgelegt. Dabei wurde diese Kette 1967 in Kapstadt gegründet und hat inzwischen Filialen in jeder grösseren Stadt Südafrikas. Auch im Ausland gibt es 28 Niederlassungen. In Bela-Bela werden gerade viele Lehrlinge ausgebildet und unsere Bedienung war eine davon. Das merkte man nicht nur am T-Shirt mit dem Trainee Aufdruck. Sie war ziemlich schüchtern und sprach sehr leise und unsicher. Als wir bestellten wollten wir wissen ob das Bier in der Büchse oder im Glas serviert wird. Draught heisst ja eigentlich gezapft, nur gaben die Namibier dem Bier den Namen auch wenn es in Büchse oder Flasche abgefüllt war. Wir erhielten die Auskunft, dass es im Stompie kommt. Wir dachten, dass das so etwas wie eine Mass oder Stange ist und bestellten zwei. Dann ging es um die Pizzas. Christine wollte eine mit Avocado, Feta and Ham, Emanuel die mit Rips and Chicken. Sie fragte dann mit einem leicht erstaunten Gesichtsausdruck noch ob das alles wäre. Wir bejahten, denn die südafrikanischen Portionen sind uns meist mehr als gross genug. Nach kurzer Zeit kam sie noch einmal und teilte uns schüchtern und leise mit, dass die Küche sehr beschäftigt sei und es 15 Minuten dauern würde. Die Musik aus dem Lautsprecher direkt über unseren Köpfen machte die Verständigung auch nicht einfacher, so fragte Christine erstaunt nach: „50 Minuten?“. Das Missverständnis klärt sich dann bald auf und wir drei lachten darüber. Das Bier kommt dann wirklich im Stompie, was sich als ein Afrikaans Wort für kleine Flasche herausstellt. Also gerade klein ist sie ja nicht mit einem Inhalt von 440ml, das ist bei uns in Bern fast ein „Halbeli“.

Nach einiger Zeit kam eine Pizza, und sie stellte den Teller mitten zwischen uns wie es üblich ist wenn man sich hier etwas teilt. Ein Blick darauf und uns war alles klar. Wir hatten EINE Pizza mit Avocado, Feta, Ham, Rips and Chicken bestellt. Da hatten wir wieder etwas zu lachen und teilten uns halt die Pizza, welche übrigens gut geschmeckt hat mit dünnem Boden, den wir bevorzugen. Die Portion ist anständig, lässt aber noch etwas Platz für ein Dessert. Als wir dieses dann bestellten, bemerkten wir dass unsere AZUBI den Name der Desserts von der Karte Buchstaben für Buchstaben abschreiben muss. Das ist ja nicht erstaunlich, denn vermutlich hat sie selber noch nie eine „Lemon Meringue“ oder ein „Berry Cheescake“ bestellt. Wir denken manchmal dass es für die Schwarzen zwei Welten geben muss. Ihr tägliches Leben unterscheidet sich vermutlich sehr von dem was sie an der Arbeit erleben. Hier müssen sie auch lernen mit einem Computer umzugehen, denn die Bestellungen müssen alle dort eingegeben werden. Handy hat hier ja fast jeder,oft noch die Tasten-Modelle, Smartphones können sich lange nicht alle leisten.

30.04.2015 Bela-Bela

Es war wieder einmal Zeit zum Einkaufen. Nach dem Frühstück machten wir den Bus fahrbereit. Tische und Stühle liessen auf dem Platz um ihn besetzt zu halten. Auf dem Weg zum Einkaufszenter sah Christine einen Wegweiser auf dem Pretoria 80km stand. Das ist ja nicht so weit und wenn wir schon mal unterwegs sind können wir doch da mal hinfahren. Vor 15 Jahren, auf unserer ersten Südafrikareise waren wir das erste und einzige Mal dort. Emanuel war zuerst nicht so begeistert aber da wir nichts Besonderes zu tun hatten, war er schliesslich damit einverstanden. Für die Fahrt in die Hauptstadt benutzen wir die R101 und brauchten eine gute Stunde für eine Strecke, die schlussendlich etwa 95 Kilometer lang war.

Bei unserem Besuch 2000 hatten wir es nicht geschafft das Parlamentsgebäude zu finden. Diesmal gelang es uns auch nicht auf Anhieb. Zuerst versuchten wir zum Church Square zu gelangen. Der direkte Weg dorthin wurde aber über eine Umleitung geführt und eigentlich war es auch nicht die richtige Richtung zum Union Building. Das GPS war auch keine Hilfe denn es kannte dieses Gebäude gar nicht. Mit etwas Glück entdeckten wir hier und da einen entsprechenden Wegweiser. Manchmal in einem Busch versteckt, oder hinter einer andern Hinweistafel usw.. Schlussendlich kamen wir dann doch noch zum Ziel. Das Union Building ist das Regierungsgebäude.

Es liegt auf einem Hügel in einem grossen Park mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt. Im Park steht eine ca 10 m hohe Mandela- Figur und in einem Amphitheater gibt es eine Gedenkstätte für Polizisten, die in Ausübung ihrer Dienstpflicht ums Leben gekommen sind. Es sind viele Namen, die da verewigt sind. Die Gedenkstätte wurde 1984 errichtet…

Nelson Mandela der Übervater der Nation.

Wir wollten das Gebäude noch gern von innen besichtigen- aber das wurde uns leider nicht erlaubt.

Naiv wie wir sind, beschlossen wir anschliessend doch noch zum Church Square zu fahren, wo das alte Rathaus steht. Das liegt im Stadtzentrum und dort herrschte das absolute Chaos auf der fünfspurigen Strasse ging auf drei Spuren überhaupt nichts mehr. Nach einer gefühlten Stunde beendeten wir den Versuch, zum „old Raadsaal“ zu kommen. Knapp 650 Meter vor dem Ziel gaben wir auf und mussten uns über drei Spuren nach rechts durchmurksen um 130 Meter weiter vorne abzubiegen. Wie wir feststellen mussten sind einige Pretorianer nicht sehr tolerant und reagieren weder auf Blinker oder Handzeichen um Ortsfremden eine Lücke zu lassen. Im Gegenteil, wie daheim schliesst man möglichst auf den Vordermann auf damit ja keiner dazwischen kommt.

Nach einiger Zeit schafften wir es bis zur Kreuzung. Aber die Freude hielt nicht lange an und wir waren im nächsten Stau. Überall lag Müll auf der Strasse und es stank ziemlich.

Irgendwie kamen wir aber dann noch zu einem Einkaufszentrum. Hier genehmigten wir uns zuerst Kaffee und Kuchen dann ging‘s an die Einkäufe. Zurück fuhren wir wieder auf der R101, wo das Verkehrsaufkommen deutlich höher war als am Vormittag bei der Hinfahrt. Aber für unser übliches Tempo durch aus schnell genug. Auf den letzten Kilometern konnten wir noch den Sonnenuntergang beobachten.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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