Zu den Drachen

22.03.2015 Gariep Dam – Aldam Estate

Am Vorabend hatten wir noch etwas Regen aber nur wenige Tropfen, obschon es in der Ferne blitze und donnerte. Das nennt man in Afrika politische Wolken, sie versprechen etwas …….

Wir standen für unsere Verhältnisse ziemlich früh auf (kurz vor sieben), denn wir hatten heute mit 350 Kilometern eine längere Strecke vor uns.

Beim Frühstück war es immer noch bewölkt aber zwischendurch schien auch mal die Sonne. Kurz vor neun sind wir schon los gefahren, das ist ein bis anderthalb Stunde früher als üblich.

Die Fahrt durch den Karroo war ziemlich langweilig, mehrheitlich dürre Graslandschaft. Tiersichtung bestand gelegentlich aus Kühen, Schafen und Ziegen.

Wir wollten tanken, denn als wir abfuhren, zeigte die Nadel des Haupttankes noch auf 1/4. Wir versuchten an verschiedenen Tankstellen LRP (Lead Replacement Petrol) zu bekommen. Dieses Benzin ist für Nelsons alten Motor besser denn es schont die Ventile. Es ist ein Ersatz für das alte verbleite Benzin. Schliesslich haben wir nur 30 Liter getankt und mit Sprit aus dem Zusatztank vermischt.

Wir befanden uns schon seit einigen Tage auf 1‘100 bis 1400 Meter über Meereshöhe und trotzdem hatten wir in dieser Zeit ziemlich warme Temperaturen und viel Regen. Und der Wind blies auch nicht mehr so heftig und kalt wie an der Küste. Bei der Ankunft im Aldam Estate war der Himmel völlig bedeckt und das Thermometer zeigte nur noch 20 Grad.

Der Zeltplatz liegt auch hier an einem Stausee und einen grosser Pool steht auch zur Verfügung, aber wir verzichteten aufs Baden. Wir machten dafür einen Rundgang durch die Anlage um nach dem langen Sitzen etwas für die Fitness zu tun. Auf dem grossen Zeltplatz standen nur noch ein weiteres Wohnmobil und vier Wohnwagen. Auch die Chalets schienen kaum besetzt zu sein.

23.03.2015 Aldam Estate – Golden Gate Highland Park

Regen, wie wir ihn in den 15 Reisemonaten noch nicht hatten! Schon beim Frühstück kündigte er sich mit einem entfernten aber langen Donnergrollen an. Kurz darauf tröpfelte es aber und wurde immer stärker. Wir schafften es nicht mehr, unsere Sachen trocken zusammen zu packen. Der Platz stand im Nu fast knöcheltief unter Wasser. Alles wurde nass und ganz besonders wir zwei.

Unterwegs mussten wir seit langem wieder einmal die Heizung benutzen, um die angelaufenen Scheiben und unsere Kleider zu trocknen. Auf den ganzen 230 Kilometer hat es nur etwa 15 Minuten nicht geregnet. Zum Teil hat es richtig gehend geschüttet. Zweimal sind wir durch so grosse und tiefe Wasserlöcher gefahren, dass uns für einige Sekunden die Sicht total genommen wurde. Hier bei Youtube zu sehen.

In Senekal fanden wir dann doch noch eine Tankstelle mit LRP. Hier füllten wir den Haupttank auf, der Zusatztank bekam auch noch 60 Liter. Demnächst müssen wir diese dann noch einmal füllen, denn eine Erhöhung der Preise um 2 Rand (15 Rappen) pro Liter wurde bereits angekündigt. „Zufälligerweise“ kurz vor Ostern, wie Daheim.

Im Reiseführer wurde Ort Clarens als sehenswürdiger Künstlerdort angepriesen und da wir Zeit hatten und auch ein wenig Hunger entschlossen wir uns zu einem stop. Allerdings regnete es hier ebenfalls in Strömen. Deshalb suchten wir uns eine Gaststätte mit einem Parkplatz wenige Meter vom Eingang. Da sassen wir dann in einer Art geschlossenen Veranda mit einem undichten Dach. Unter die Stellen wo am meisten Wasser hereinlief hatte der Wirt Weinkühler gestellt. Das Essen war gut und als wir fertig waren und bezahlt hatten, warteten wir einen Moment ab, in dem der Regen etwas nachliess um zum Auto zurück zu spurten.

Bis zum Goldengate Hotel in den Drackensberge war es von hier nun nicht mehr weit. Dort hatten wir für zwei Nächte ein Zimmer gebucht. Schön dass wir da im trockenen waren.

Auf der Strecke hier her haben wir übrigens die halbe Welt gesehen. Angefangen mit dem Oberammergau Campingplatz, dem Ort Betlehem, die Farmen Waterloo, Madrid, Berlin und zum Schluss noch Golden Gate. Ok nicht Bridge sondern der Highland Park.

24.03.2015 Golden Gate Highland Park

Das Wetter war auch an diesem Tag nicht ideal aber wir machte trotzdem eine Fahrt durch den Park. Die Sandsteinformationen waren beeindruckend. Aber Nelson musste ganz schön schuften um uns überall hin zu bringen. Immerhin waren wir zeitweise auf bis zu 2150 und nie unter 1720 Meter über Meer.

Eine Wasserdurchquerung hatten wir auch, aber diesmal ohne Beeinträchtigung der Sicht. Aber der Wasserstand war doch so hoch, dass ein uns entgegen kommender PW-Fahrer es sich dann anders überlegte als er uns durchfahren sah.

Tiere gibt es in diesem Park auch zu sehen, aber Gnus, Kuhantilopen und Blässböcke haben wir schon viele gesehen.

Wir fuhren bis zum östlichen Ende des Park wo wir das Basotho Cultural Village besuchten. Hier wurden Häuser nachgebaut wie sie seitdem 16. Jahrhundert bis heute von den Basothos genutzt wurden, respektive genutzt werden. Wir wurden auf dem Rundgang begleitet und in den Hütten sind Leute welche das Dorfleben darstellen. Da waren zuerst einmal der Häuptling und sein Berater, dann die erste Frau des Häuptlings welche früher von der Dorfgemeinschaft gewählt wurde, und die dritte Frau. Die Frauen hatten besondere Aufgaben. So war die dritte Frau verantwortlich, die jungen, heiratsfähigen Frauen einzukleiden. Wir trafen auch zwei Musiker mit Akkordeon und Schlagzeug. Die gesamte Anlage ist gut unterhalten und die Führung sehr interessant. Das Sorghum Bier und der Porridge die wir probieren durften waren Geschmackssache.

Christine wurde von der ersten Frau des Häuptlings eingekleidet.

Häuptling Emanuel I

„Wandschrank“ in einem Haus des 20. Jahrhundert

Unsere Führerin hinkte stark und mit der Zeit sogar sehr stark. Auf unsere Frage erzählte sie uns, dass ihr Knie geschwollen sei und sehr schmerzt. Wir boten ihr unsere seit Langem unbenutzten Krücken an. Da sie nur lachte und ging nicht weiter darauf ein. Beim Abschied erinnerte sie uns dann aber doch an die Stöcke und wir durften sie ihr übergeben.

Wer die Vorgeschichte der Krücken nicht kennt kann dies HIER nachlesen.

Da es nach dem Dorfbesuch nicht mehr regnete beschlossen wir noch einmal nach Clarens zu fahren. Dort machten wir einen Rundgang durch den Ort entdeckten dabei das niedliche Liliput Bed & Breakfast.

25.03.2015 Golden Gate Highland Park – Nottingham Road

Ausgerechnet an dem Tag an dem wir weiter wollten, klart der Himmel etwas auf. Darum beschlossen wir den einen Loop noch einmal zufahren um doch noch ein paar Bilder ohne Regen zu schiessen.

Weiter ging es Richtung Harrismith aber kurz vorher bogen wir auf die R74. Das war laut GPS der kürzeste Weg um an unser Tagesziel zu gelangen, aber bei weitem nicht der schnellste und beste. Gleich an der Abzweigung war die erste von drei Baustellen. Wir mussten jedes mal 20 bis 30 Minuten warten. Zudem war die „Strasse“ in diesem Teil meist in einem saumässigen Zustand. Landschaftlich ist die Gegend entlang den Drackensberge aber sehr abwechslungsreich.

Bis Mooi River fuhren wir noch auf ein Stück auf der N2. Als wir sie verliessen kamen wir an eine Mautstation. Da wollte die Dame am Schalter unbedingt Nelson als Lastwagen taxieren. Wir waren damit nicht einverstanden, denn bis jetzt sind wir immer mit dem PW-Preis durchgekommen. Wir hätten viel grössere Räder als das Fahrzeug hinter uns. Das überzeugt uns nicht. Unser Bus hat 16 Zoll Felgen, da gibt es Autos mit grösseren. Nach einer kurzen Diskussion telefoniert sie dann mit jemanden und dann bezahlten wir doch den Preis wie für ein Auto. Na also geht doch!

In der Nähe von Nottingham Road fanden wir den Glensheiling Campingplatz wo wir zwei Nächte blieben

26.03.2015 Nottingham Road -Midland Meanders

Heute ist eine Rundreise durch die Midland Meanders angesagt. Da gibt es viele kleinere und grössere Unternehmen welche alles mögliche herstellen und verkaufen. Von Schuhe über Käse bis zu Hängematten findet man hier in einer schönen grünen Landschaft ziemlich alles.

Immer auf der Suche nach gutem Käse wollten wir wieder die Swissland Cheesery aufsuchen aber die haben donnerstags geschlossen. Wir fanden dann ausser Käse noch andere feine Sachen beim Deli-Laden Piggly Wiggly. Die Tsonga Lederwaren werden auch in dieser Region hergestellt und dort machten wir auch einen Halt. Sie sind bekannt für handgearbeitete Schuhe und Taschen. Hier lernten wir den neuen italienischen Designer für Taschen und Schuhe kennen. Er verriet uns, dass er zur Zeit am Entwerfen einer Kollektion Hüte sei. Er hat in Deutschland in Offenbach (d e r Lederstadt!) Design studiert und es entwickelte sich ein lustiger Austausch. Shopping macht bekanntlich hungrig, deshalb wollten wir noch zum Blueberryhill Restaurant, nur wussten wir nicht mehr wo es ist. Da fuhren wir zu Graham, dem Mann mit den tollen Hängematten. Er hatte uns letztes Mal den Tipp gegeben. Der freute sich uns wieder zusehen, obschon wir wieder keinen Heavenly Hammok bei ihm kauften. Wir unterhielten uns eine Weile mit ihm und machen uns dann auf den Weg zu Chris seinem Freund, dem Bueberry- Farmer und Restaurantbesitzer.

Das Blueberryhill liegt, wie der Name schon sagt, auf einem Hügel und da gibt es nicht den weltbesten Heidelbeeren-Cheescake sondern auch eine tolle Aussicht. Und das sogar auf der Toilette wie die Fotos zeigen.

Eine Tischnachbarin wollte wissen woher wir kommen und wie es uns in Südafrika gefällt. Als Chris draussen unseren Bus entdeckte, setzte er sich zu uns und wollte er mehr über das Fahrzeug und unsere Reise wissen. Es erstaunt uns immer wieder wie leicht man hier mit Leuten ins Gespräch kommt.

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Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika zu "erfahren". Wir machen aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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3 Antworten zu Zu den Drachen

  1. Douw Krüger schreibt:

    Fahren wärhend des Regenwetters muss euch wohl Heimweh bringen.. ja ? Das Wort Daheim ist neu für mich. Süddeutsch oder Schweizer glaub ich.

  2. Swissnomads schreibt:

    Weder Schnee noch Regen verursacht bei uns Heimweh 🙂
    Wegen dem warmen und schönenen Wetter sind wir ja eigentlich hier. Aber davon hatten wir auf dieser Tour noch nicht so viel, jedenfalls weniger als erwartet.

    Daheim ist übrigens ein deutsches Wort.
    Google sagt: Daheim = home
    Aber eigentlich wäre ‚at home‘ besser.

  3. Sylvia Germann schreibt:

    Ha doch dänkt, dasmou fäut öpis….😉
    mit Biuder isch aues klar…😊

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