Letzter Tag in Freiheit

06.06.2014 Hamakari

Und die Nacht war kalt. Im Bus war es am Morgen 3 Grad und draussen gab es Frost. Wir warteten mit dem Aufstehen bis die Standheizung ein angenehmeres Klima schaffte und die Sonne auf unseren Platz schien. Wir hatten ja Zeit, es stand nichts Besonderes auf dem Programm. Bis Mittag war es wieder wärmer, nur der kühle Wind frischte immer wieder etwas auf. Gegen Mittag machten wir uns auf zum Dam, welcher letztes Jahr völlig ausgetrocknet war. Jetzt hat er wieder viel Wasser und wir sahen viele Enten, am Ufer zwei Marabus, einige Kudus und etwa 20 Paviane. Alles auf der andern Uferseite und nur mit dem Feldstecher zu erkennen. Dafür trafen wir auf dem Weg zum Dam und auf dem Rückweg viele Impalas und Springböcke, die sich zum Teil fluchtartig aber auch in gemächlichem Tempo von uns fortbewegten.

Am Abend kam noch Wilhelm Diekmann, der Farmer vorbei. Wir machten in einem Feuerkorb ein grosses Feuer und unterhielten uns gemütlich bei Rotwein über Gott und die Welt.

07.06.2014 Hamakari

Es war auch in dieser Nacht nicht wärmer aber wir haben es überlebt. Aufstehen tun wir erst nach acht Uhr denn dann scheint die Sonne auf unseren Platz und wir können draussen frühstücken.

 Wir machten anschliessend einen Spaziergang um das grosse „entbuschte“ Feld neben dem Campingplatz, denn wir wollten uns einer Gruppe Zebras nähern. Aber die Tiere waren sehr scheu und rannten davon bevor wir ein Foto machen konnten.

Zu Abwechslung fuhren wir noch Otjiwarango um ein paar Kleinigkeiten eizukaufen. Das sind ja nur 86 Kilometer, ein Weg, also gleich so um die Eck für namibische Verhältnisse. An der Tankstelle dort nannte einer der Tankwarte Emanuel beim Namen. Er kannte ihn ( und vor allem den Bus) noch vom Oktober des letzten Jahres.

Emanuel gingt am Nachmittag zur Farm, denn dort gibt es ein offenes WiFi. Auf dem Campingplatz hatten wir nicht einmal Handy-Empfang, darum nützte uns die Data-Sim-Card auch nichts. Mails wurden heruntergeladen und der Blog-Text und Fotos hochgeladen. Magnus, einer der Farmhunde begleitete ihn zurück zum Campingplatz. Magnus ist ein Standfordshire Terrier, und daher vom Aussehen vielleicht ewas negativ behaftet, aber er ist ganz lieb. Er blieb auch ein Weilchen da und ging mit uns spazieren. Irgendeinmal trollte er sich wieder zur Farm zurück.

Für warmes Wasser im Bad sorgten wir selber. Holz steht zur Verfügung um den „Donky“ einzufeuern.

Nachtessen fand an diesem Abend wieder auf der Farm statt. Wilhelm hatte ein „Braaifleis“ vorbereitet und wir genossen gegenseitig unsere Gesellschaft. Sabine ist am Vortag nach Windhoek gefahren und da keine Gäste in den Bungalows waren, war er alleine, was er nicht mag. Nach einem gemütlichen Essen fuhr er uns zum Campingplatz zurück.

08.06.2014 Hamakari

Die Tage wurden fast zur Routine so dass wir uns kaum mehr bewusst waren, dass es nicht selbstverständlich ist wenn man beim Frühstücken, Springböcken, Zebras, Wasserböcken, Hartebiest und Blässböcken beim äsen zusehen kann. Sogar ein Gnu kam heute Morgen kurz vorbei um an dem nahen Wasserloch zu trinken. Auch Strausse haben wir gesichtet und noch viele andere Vögel, von denen wir meistens die Namen nicht wissen.

Emanuel ging auch an diesem Tag zur Farm, um ins Internet zu kommen und wieder begleitete ihn Magnus danach zum Camping zurück. Er kam dann auch noch mit uns auf einen Spaziergang zum Aussichtsturm und schliesslich nochmal zurück zum Camping.

Als er dann aber das Auto seines Herrchens zur Farm zurückkommen hörte, rannte er wie eine Rakete heim.

Das Nachtessen nahmen wir ganz nahe am Feuerkorb ein, so hielten wir es bis fast neun Uhr draussen aus. Mit dem Rest der Glut feuerten wir noch einmal den Donky ein und hofften, dass am nächsten Morgen noch etwas warmes Wasser aus dem Hahn kommt.

09.06.2014 Hamakari – Omandumba Erongo

Während des letzen Frühstücks auf Hamakari konnten wir noch einmal drei Gnus beobachten.

Wie immer kamen wir erst spät von Hamakari weg, diesmal aber auch weil wir erst nach 8 Uhr aufgestanden sind. Dabei war es heute weniger kalt im Auto als die letzen Tage, +2 statt -3 Grad. Kein Witz aber das macht echt etwas aus.

Wir verabschiedeten uns von Wilhelm und er empfahl uns noch einen Camping im Erongo Gebiet als nächsten Übernachtungsort. Wir wussten nicht ob wir noch so weit kommen, denn wir mussten noch in Otjiwarango einkaufen und tanken und es war schon halb zwölf als wir endlich los fuhren.

Etwa um halb vier erreichten wir Omaruru und von dort waren es immer noch 50 Kilometer bis zu unserem Ziel und das war über eine Piste zu erreichen. Das bedeutete noch ungefähr eine Stunde fahren. Die Sonne geht hier im Winter sehr früh unter und wir wollten nicht im Dunkeln fahren. Wir schafften es noch rechtzeitig bis zur Farm Omandumba wo uns Harald Rust empfing. Wilhelm hatte ihn angerufen und gesagt dass wir vielleicht kommen würden, aber um diese Zeit hatte Herr Rust gar nicht mehr mit uns gerechnet. Die Plätze sind hier auf dem Gelände verzettelt und er zeigte uns den Weg zum nächst gelegenen. Er lag mitten zwischen Felsen und ist sehr originell. Dort angekommen feuerte Emanuel als erstes mal den Donky ein damit wir warmes Wasser hatten. Stromanschluss gibt es hier keinen aber unsere Bordbatterie war durch die Fahrt gut aufgeladen. Wir standen auch hier wieder ganz allein und das Farmhaus ist etwa ein Kilometer von hier entfernt.

10.06.2014 Omandumba – Brandberg

Endlich wieder einmal eine Nacht mit angenehmer Temperatur, aber am Morgen bläst ein heftiger Wind. Darum beschlossen wir weiterzufahren, obschon uns der Campingplatz sehr gut gefällt. Überhaupt die Landschaft der Erongo-Gebirge ist faszinierend.

Der Weg zum Brandberg war nicht so gut, die letzen 10 Kilometer führten über eine ziemliche Rüttelpiste. Vorher haben wir noch in Uis getankt, und besuchten einen Coffeeshop in dem wir auch 2006 waren. Es war ein wenig anders als damals, zu essen bekamen wir heute auf jedenfalls nichts.

Durchgeschüttelt kamen wir schliesslich am Brandberg an, wo wir einen weiteren Versuch starteten ein Sandwich zu bekommen. Wir wurden informiert, dass es etwas dauern wird, weil das Chicken noch gekocht werden muss. Kaffee bekam Christine sofort, aber der war schwarz wie Teer und stammte noch vom Frühstück, was der Kellner offenherzig bestätigte. Bezahlen mussten wir ihn dann auch nicht.

Auf dem weitläufigen Camping fanden wir bald einmal einen guten Platz. Die Nacht war angenehm warm, schon fast zu warm zum schlafen. Ja, ja, man kann es uns nicht recht machen. Aber wir genossen es, lange draussen zu sitzen, unter einem herrlichen Sternenhimmel.

11.06.2014 Brandberg – Spitzkoppe

Wie meistens waren wir am Morgen fast die letzten auf dem Platz. Denn bevor die Sonne nicht auf unseren Frühstückstisch scheint kommen wir nicht aus dem Bett. Die meisten Camper stehen viel früher auf. Vor allem die organisierten Reisenden, die Overlander, packen schon zwischen fünf und sechs Uhr morgens Ihre Siebensachen zusammen. Was uns dann meistens weckt, aber wir bleiben eisern, keine Sonne, kein Aufstehen.

Die schlimmeren 10 Kilometer vom Brandberg zurück nach Uis umfuhren wir, in dem wir eine kleine sandige Piste benutzten die uns näher an den Berg führte. Die gesamten 140 Kilometer Piste nach Uis waren etwas besser als das Stück vorher.

Spitzkoppe gehört zum Weltnaturerbe und wird von der lokalen Bevölkerung bewirtschaftet. Allerdings sind inzwischen die Preise eher gesalzen. N$ 100 pro Person und 150 für das Fahrzeug für einen Platz ohne Strom, ohne Wasser und einem Plumpsklo (aber sauber!) ist eher über dem Durchschnitt von dem was man hier sonst bezahlt. Die meisten Aussichtspunkte darf man auch nicht mehr alleine besuchen, man muss einen Guide nehmen. Was dieser kostet haben wir gar nicht gefragt. Die Plätze sind hier so weit auseinander dass man die nächsten Camper gar nicht sieht.

Die Berge sind aber eindrücklich und es gibt ganze Gruppen die mit dem Bus hierher gebracht werden um einen Fotokurs zu absolvieren.

Leider war der Mond fast voll, so dass es zu viel Licht gab für einen eindrücklichen Sternenhimmel wie wir ihn hier schon mal erlebt haben.

12.06.2014 Spitzkoppe – Wüstenquell

Wir sahen auch diesmal niemand mehr auf den Campingplätzen. Egal, wir mussten ja nicht so früh aufstehen, unser heutiges Ziel war nur 155 Kilometer entfernt und davon waren etwa 30 km auf Teerstrasse. Dafür hatten es die letzten 20 Kilometer in sich, die sind auch als 4×4 Strecke eingetragen. Sandige Passagen mit tiefen Rillen wechselten sich mit grobem Wellblech ab. Hie und da waren auch steinige Strecken zu bewältigen. Wir waren auf jeden Fall froh als wir auf der Farm ankamen und von Oliver Rust empfangen wurden. Zum Campingplatz „Papierbaum“ waren es noch einmal 2 Kilometer aber dafür hatten wir den mal wieder für uns ganz alleine. Grosse Felsen liegen neben dem Platz und in einer Nische ist WC und Dusche eingerichtet. Donky durfte Emanuel diesmal keinen einheizen, das warme Wasser kam von einem Gasdurchlauferhitzer.

Trotz auffrischendem Wind genossen wir bei einem Lagerfeuer und Vollmond, den letzten Abend in Freiheit, wie Christine sagte.

Morgen werden wir in der Nähe von Swakopmund sein. Hier hat vor 9 Monaten unsere Reise begonnen. Wir werden uns auf Gut Richthofen für ein paar Tage eine Selbstversorgerwohnung mieten.

13.06.2014 Wüstenquell – Swakopmund

In der Nacht blies der Wind ziemlich stark, aber uns hat es nicht weg geweht. Frühstücken wollten wir aber trotz des immer noch heftig blasenden Windes draussen. Das ging auch ganz gut, nur unsere leichteren Sachen am Tisch mussten wir beschweren, damit sie nicht wegfliegen.

Die Piste war in die andere Richtung nicht ganz so schlimm wie gestern, aber wir haben uns doch überlegt ob wir von Bern nach Zürich fahren würden wenn der Weg dorthin über solche „Strassen“ führen würde.

Unterwegs sahen wir eine kleine Herde Zebras, die aber sehr scheu waren. Auf dem Foto mit dem 200mm Zoom sieht man nur ganz kleine Punkte.

In Swakop mussten wir einkaufen gehen, denn unsere Vorräte sind in den letzten Tag fast ganz aufgebraucht. Auch ein Besuch bei der unabhängigen Autowerkstatt RW Motors stand auf dem Programm. Dort hörte sich Jim Roos Nelsons „Nähmaschinen“-Geräusch an. Wir vereinbarten, dass er den Wagen etwa einen Monat vor unserer Rückkehr nach Namibia in die Werkstatt holen wird. Falls er Teile braucht welche er im südlichen Afrika nicht bekommt könnten wir sie von der Schweiz mitbringen. Aber er ist zuversichtlich dass er alles hier findet was er braucht.

Auf Gut Richthofen trafen wir als erstes Michael, den Besitzer der Unterkunft an. Er zeigte uns die Zweizimmerwohnung, diesmal eine andere als die die wir im letzten September hatten. In dieser haben sich Astrid und Fred einquartiert, die wir schon aus der Schweiz kennen. Sie hatten versucht an der Westküste entlang herunter zu fahren, mussten dann aber schliesslich ihren Landcruiser von Ghana nach Namibia verschiffen.

Den Abend haben wir bei Astrid und Fred verbracht. Sie sind ein viel gereistes Paar und haben auch schon viel erlebt. Von uns wollten sie Tipps für Namibia und Südafrika.

14.06.2014 Swakopmund

Die Nacht in einem fremden Bett war etwas durchzogen, das ist in der ersten Nacht meistens so. Wir durften die Waschmaschinen und Tumbler vom Gut Richthofen benutzen, deshalb hatte Christine heute Waschtag.

Viel unternahmen wir nicht, nur einen Ausflug ans Meer machten wir, um einen Spaziergang zu machen und zwei junge Surferinnen zu bestaunen die sich in die kalten Fluten des Atlantiks wagten. Sie hatten zwar einen Neoprenanzug an, aber trotzdem.

Auch mit Astrid und Fred gabs viel zu quatschen.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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3 Antworten zu Letzter Tag in Freiheit

  1. Alex schreibt:

    Hallo
    Kompliment an euch, ich freue mich immer auf einen neuen Beitrag mit den SUPER Bildern!
    Ich bin auch schon viel rumgekommen, aber noch nie nach Afrika.
    Aber ich kriege immer mehr Lust dazu das zu ändern…. Dank euch!

    Viele Grüsse und weiterhin viel Spass!
    Alex M (OITO Z)

    • Swissnomads schreibt:

      Hallo Alex
      Danke. Wir freuen uns wenn unser Blog gefällt.
      Vieleicht sehen wir uns ja irgend einmal in Afrika. Wir sind ja noch nicht fertig mir reisen, aber werden eine Heimaturlaub einlegen und spätestens im Oktober wieder nach Namibia zurück kehren.
      Gruss an alle im OITO Z
      Emanuel

  2. Douw schreibt:

    Klar, Deutschland und die Niederlande sind wunderbar und märchenhaft, aber wenn ich eure Nachricht lese, habe ich Sehnsucht nach dem schönsten Land auf der Welt – leider nicht dieses Jahr. Das Wetter in Europa ist im Moment ganz ok. Ungefàhr 30% so gut wie Namibia. Ich drücke die Däume auch für gutes Wetter bei eurem Heimaturlaub.
    Douw u Nelleke (Tienhoven – in der Nähe von Maarssen, die Niederlande.

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