Nelson blockt

22. und 23.01.2014 Yzerfontein – Kapstadt

Wir verbrachten noch eine weiter Nacht auf dem Camping von Yzerfontein und fuhren am Donnerstag wegen des Autos zu Jaques Fouch, den uns Günter wärmstens empfohlen hat. Der schaute sich die Aufhängung näher an und meinte man müsste da eine Korrektur mit Gummiwinkel machen. Dafür sei aber Johan vom 1st Allignement Center der Spezialist. Dieser könnte mir sicher auch das Teil für die Befestigung des grösseren Dämpfers machen. Also fuhren wir von Parow East nach Bellville.

Hier mussten wir uns etwas gedulden denn Johan (Übername Johan Tyre) ist ein gefragter Mann mit etwa 6 Angestellten. Man kümmert sich hier nur um Fahrgestell und Reifen. Als er dann Zeit hatte, warf er einen kurzen Blick auf die Starrachse und meinte da muss man nichts ändern, aber der Lenkungsdämpfer  ist viel zu klein. Ja, zu dieser Einsicht ist Emanuel schon lange gekommen, und zeigt ihm den grösseren vom 306er. Johan meint er ist zwar auch noch zu mickrig. Nachdem er aber versuchte ihn zusammen zu drücken, glaubt er dass der  es auch tut. In kürzester Zeit modifizierte er die Montagevorrichtung des Dämpfers, baute den grösseren Dampfer ein und wir konnten vom Hof fahren. Für die nächsten Nächte, haben wir den Mountain Breeze zwischen Sommerset West und Stellenbosch ausgewählt.

24.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Am frühen Morgen wurden wir von leichtem Regen geweckt und mochten gar nicht aufstehen. Aber heute mussten wir Einkaufen und unser Telefon und Internet-Guthaben aufstocken. Wir erledigten dass in der Shopping Mall von Sommerset West und fuhren danach nach Gordens Bay an das östliche Ende der Falsebay. Wir liefen dort ein Stück am Strand entlang und stellten fest, dass das Wasser hier um ein paar Grad wärmer war. Wir sonnten uns auf einem Bänkchen als uns Dieter im Rollstuhl und seine Frau entgegen kamen. Wir haben ihn gestern Abend auf dem Campingplatz kennengelernt. Sie waren gerade erst angekommen und haben sich bei uns etwas zu Trinken ausgeliehen. Beide sind mit einem KEA Camper unterwegs. Als sie auf dem Parkplatz unseren Bus stehen sahen, parkten sie ihr Fahrzeug daneben und wollten uns eine Flasche Wein zurückgeben.

Auf dem Rasen am Parkplatz lag ein Junge im Gras und als Emanuel zum Auto ging, sagte er, er habe das Fahrzeug bewacht. Er war wohl so 12, 13 Jahre alt und trug einen Rucksack bei sich. Emanuel fragte ihn, warum er nicht in der Schule ist. Seine Mutter hat keine Arbeit und sie haben kein Geld, darum „bewacht“ er Autos. Natürlich bekam er seine „Arbeit“ bezahlt und dazu den Rat, wie wichtig es ist, etwas zu lernen…. Auf dem Rückweg haben wir bei einem Einkaufszentrum angehalten und während Emanuel in den Laden ging, kamen zwei Jugendliche zum Auto und fragten Christine ein bisschen aus, woher wir kommen, dass wir ein schönes Auto haben, und so weiter. Dann baten sie darum, ihnen ein Brot zu kaufen, sie haben Hunger. So etwas kommt nicht so oft vor, aber es ist Realität und an kann die Augen davor nicht verschliessen. Aber leider weiss man nie ob mit dem Geld essen oder Alkohol gekauft wird.

25.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Stellenbosch ist bekannt für seinen Wein und Weinberge und gibt es hier einige. Gerade in diesen Tag findet hier das Weinfestival statt.

Blaauwklippen

Einige Winzer bieten spezielle Veranstaltungen und wir waren bei Blaauwklippen, wo es eine Kafferösterei gibt  und bei Dornier (Deutschschweizer Abstammung) wo man Flammkuchen essen kann. Dornier liegt wunderschön am Fusse eines Berges dessen Anblick man von der Terrasse aus geniessen kann.

Dornier

Wir stellten wieder einmal  fest wie gut es uns doch geht und wir fragten uns, ob die anderen Gäste sich auch bewusst waren wie privilegiert wir alle eigentlich sind. Auf dem Tisch fanden wir  ein Kärtchen, das darauf hinwies, dass in diesem Restaurant jeder Rechnung der Betrag von 5 Rand (50 Rappen) zu Gunsten von StreetSmart hinzugefügt wird. Diese Organisation kümmert sich um Strassen- kinder und steht unter der Schirmherrschaft von Bischof Desmond Tutu. Da kam uns der junge Autowächter von gestern wieder in den Sinn und wir beschlossen den Betrag zu erhöhen.

26.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Heute fuhren wir noch einmal zu Blaauwklippen weil dort ein sogenannter Family- Market stattfindet. Da gab es einige feine Delikatessen zu kaufen, die man auch probieren konnte. Wir fanden endlich einmal Käse, der auch so schmeckte, dazu Brot, Wurst, Oliven und Salat. Das passte gut, denn heute Nachmittag kamen uns 5 Südafrikaner auf dem Campingplatz  besuchen. Es waren alles Mitglieder des Overland-Forums, dem Emanuel schon vor längerer Zeit beigetreten ist. Douw, der hier im Blog schon einige Kommentare geschrieben hat, organsierte das kleine Treffen. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, beim diskutieren und braaien (für nicht Südafrikaner  grillen oder BBQ) und trinken des guten südafrikanischen Weines.

Fotos von Douw Kruger

27.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Heute wollten wir unser 90 Tage Visum verlängern. Nachdem wir sehr widersprüchliche Informationen aus allen möglichen Quellen erhalten haben wollten wir nicht  zum Departement für Home Affairs in Kapstadt gehen sondern das Büro in Stellenbosch besuchen. Dort wurden wir von einem uniformierten empfangen der uns  gleich erklärte dass man hier keine Visa Verlängerungen machen kann. Nur die grösseren Büros in Paarl oder Kapstadt sind dazu befugt. Wir fahren also weiter nach Paarl, wo Parkplatzwärter Johnny beim Einparken enthusiastisch ausruft: Johnny loves big trucks! Na gut, wir auch. In der Halle des Büros für Home Affairs wurden wir von einer uniformierten Frau empfangen, welche uns zum Imigration Desk schickte. Hier warteten sicher über ein Dutzend Personen und es gab nur eine Beamtin die die Antragsteller abfertigte. Für jeden musste sie aber ihren Platz verlassen um sich in einem Büro  nach irgendetwas zu erkundigen.

So dauerte es Stunden bis wir an die Reihe kamen.Als wir endlich dran waren, händigte sie uns ein Formular aus, und erklärte uns das weitere Vorgehen. Wir müssten zur hiesigen Polizei gehen und einen schriftlichen Nachweis verlangen dass wir unbescholtene Leute sind. Dann müssten unsere Fahrzeugpapier beglaubigt werden, da wir kein Flugticket in die Schweiz besitzen. Zudem müssen wir Bankauszüge beibringen um zu beweisen dass wir genügend Geld haben um nach Hause zu fliegen. Für diese Auskunft sind wir nun beinahe 3 Stunden angestanden!!! Wir verliessen ziemlich frustriert das Gebäude und wurden draussen von Johnny mit seinem Spruch: Johnny loves big trucks! Aufgemuntert. Der hat uns noch in der Wurmbüchse gefehlt. Johnny ist aber ein guter Menschenkenner und wusste genau was wir jetzt brauchten. Er steckte uns eine Visitenkarte für einen Immigration Service in Sommerset West zu. „Hier wirst du geholfen“! Nachdem der Schock abgeklungen war, sind wir der Meinung, dass wir es ja versuchen können und in diese Richtung wollten wir ja sowieso.

Also auf nach Sommerset West. Das Büro fanden wir relativ gut da es im Zentrum und an der Hauptstrasse liegt. Tania Copeland erklärte uns, dass es über sie viel einfacher sei und wir doch am besten gleich eine Retirement Permit für  vier Jahre beantragen sollten. Kosten sollte das Rand 2‘500 für ihre Dienste und dann noch 425 pro Person für die staatlichen Gebühren. Das ist nicht gerade billig aber, wenn das für 4 Jahre gilt wäre es ja nicht schlecht. Was sie von brauchte würde sie uns noch heute in einem Mail schreiben.

Unsere Laune hat sich wieder deutlich gebessert und wir fuhren nach Kapstadt um bei Mercedes für den kaputten kleinen Lenkungsdämpfer einen Garantieersatz zu bekommen. Aber auch hier ging das nicht so einfach. Es musste ein Formular mit allen möglichen Angaben ausgefüllt werden. Chassis- und Motornummer, Kilometerstand beim ein- und ausbauen des beanstandeten Teils, Grund des Defekts, Adresse des Fahrzeughalters und noch einiges mehr. Wir werden telefonisch benachrichtigt falls es ein Garantifall ist, wo und wann der Ersatz für das Ersatzteil abzuholen ist. Irgendwie ist das heute ein versch…er Tag. Als nächstes besuchten wir den Canal Walk ,das grosse Einkaufszentrum, denn Emanuel braucht neue Hosen. Na das heiterte ihn ja mächtig auf, denn wie die meisten Männer liebt er das Kleider anprobieren. Schon im dritten Laden fand er die passenden Shorts und Dreiviertelhose.

Bis wir den Einkaufstempel verliessen, war  es 17 Uhr und somit waren wir mitten in der Hauptverkehrszeit unterwegs. Unser Ziel Muizenberg erreichten wir erst nach 18 Uhr und auf dem Camping war das Büro bereits geschlossen und der Mensch an der Schranke wollte uns nicht hineinlassen. Emanuel diskutierte nicht lange mit dem Typen und nahm Kurs auf den Mountain Breeze Caravan Park. Wir wussten dass hier der Empfang bis 19 UHR besetzt ist. Das GPS zeigte die Ankunftszeit mit 19:00 an. Das könnte also noch reichen, wenn es knapp wir rufen wir vorher noch an. Unser braver Nelson gab alles und wir erreichten den Campingplatz um 18:57. Toll, hatten wir heute auch noch ein Erfolgserlebnis.

28.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Emanuel versuchte per Telefon und Internet heraus zu finden, was es wirklich braucht für eine Visum-Verlängerung. Aber es kommen immer mehr Widersprüche dazu. Also entschieden wir uns, die Dienste der Agentur in Anspruch zu nehmen, um wenigstens die Wartezeit im Büro von Home Affairs zu vermeiden. Ausserdem besteht ja das Risiko, wenn wir es selber versuchen, dass man das nächste Mal noch weitere Auskünfte oder zusätzliche Dokumente verlangt.

Mit Hilfe des Google-Übersetzers und unserem Zeltnachbarn schrieben wir den Motivationsbrief in dem wir unser Bedürfnis für die zusätzlichen 90 Tage begründen. Im Internet holten wir unsere Bankauszüge um zu beweisen dass wir genügend Geld haben um das Land auch wieder  verlassen zu können. Den Fahrzeugausweis hatten wir schon daheim eingescannt. Diesen müssen wir vorweisen weil wir ja kein Flugticket haben.  Damit blieb nur noch Zeit für ein paar Längen im Pool, und einen Spaziergang zum nahe gelegenen Laden um Brot zu kaufen.

29.01.2014 Mountain Breeze Caravan Park

Heute fuhren wir zur Agentur nach Somerset West um unsere Pässe und Dokumente zu bringen. Morgen sollen wir sie mit verlängertem Visum zurück bekommen. Danach noch zum Einkaufszentrum und dann zuckelten wir auf der R310 an der Küste entlang bis zu einem Platz am Strand wo einige Männer fischen waren und zwei Jungs sich in den Wellen austobten. Uns machte das Wasser nicht an, da es hier  immer noch sehr kalt ist, auch wenn sich der Atlantik und der indische Ozean der Ostküste nach und nach vermischen.

Wir machten uns dann wieder auf den Weg zu unserem Campingplatz, wo wir heut Morgen eigentlich ausgecheckt haben um weiter zu fahren. Da wir aber morgen unsere Pässe in Somerset West abholen sollen, machte es Sinn noch eine Nacht hier zu bleiben. Beim Anblick der vielen Rebberge bekamen wir Lust auf Trauben. Im Mountain Breeze Farmstall, so heisst der Laden ausserhalb des Campings, wollten wir welche kaufen. Als Emanuel danach Nelson wieder starten wollte, konnte er den Zündschlüssel nicht drehen. Die Lenkradsperre wollte sich nicht öffnen. Er holte Werkzeug  und versuchte das Problem zu lösen. Leider hatte er aber keinen Erfolg. Im Laden fragte er, ob jemand den AA (Automobile Club) anrufen könnte. Man war hier sehr hilfsbereit und wählte die Nummer für ihn. Er erklärte das Problem und man versprach, umgehend auf unser Handy zurück zu rufen. Das passierte auch um nach weiteren Details zum Fahrzeug zu fragen. Später rief  die  AA- Mitarbeiterin  noch mal an, um mitzuteilen, dass man einen Schlüsselspezialist vorbei schicken wird. Wie lange das dauern kann, weiss sie noch nicht, sie wird sich aber wieder melden. Inzwischen wurde das Tor zum Parkplatz geschlossen, der Laden schliesst um 18:00 Uhr. Die Ladenbesitzer sicherten uns aber zu, dass sie warten werden bis die Pannenhilfe da ist.

Etwa zwei Stunden nach unserem ersten Anruf meldete sich die AA-Dame wieder. Sie teilte uns mit, dass der Einsatz 495 Rand kosten wird und ob wir damit einverstanden sind.  Natürlich waren wir einverstanden, und dann würde sie jetzt (endlich!!!) den Schlüsseldienst losschicken. Wir dachten der ist schon längst unterwegs und die lieben Leute vom Laden mussten immer noch warten, bis wir vom Parkplatz kommen. Sie waren wirklich sehr nett und nahmen es mit Humor. Die Ankunftszeit des „Engels der Strasse“ wurde mit etwa 30 bis 45 Minuten angegeben. Auch das war etwas untertrieben, es dauerte dann noch ein wenig  länger. (Wahrscheinlich war afrikanische Zeit gemeint). Als der Spezialist dann endlich auf dem Platz war,  versuchte er  gleich mit dem Hammer die Blockade zu lösen. Sein Werkzeugsortiment war auch nicht gerade üppig, wir mussten noch mit einem 10er Gabelschlüssel aushelfen. Der Versuch, das Lenkradschloss so wieder funktionstüchtig zu machen war nicht erfolgreich.

Er fragte dann nach einem zweiten Schlüssel . Den hatten wir, der ist aber für den Notfall unter dem Wagen in einem Magnetkästchen untergebracht. Emanuel kroch unter den Bus und holte ihn aus seinem Versteck. Der Mechaniker steckte ihn ins Schloss und siehe da, die Lenkungssperre liess sich lösen! Der benutzte Schlüssel ist krumm und deshalb konnte man das Lenkrad nicht mehr bewegen.

Während wir auf den Schlüsselmann gewartet haben ist Christine zum Campingplatz  gelaufen und hat uns wieder ein gecheckt, denn hier wird das Gate um 19:00 Uhr geschlossen und ohne Fernbedienung kommt man nicht hinein. Endlich konnten die Leute vom Farmstall nach Hause und wir zum Campingplatz. Etwa um acht Uhr waren wir wieder auf unserem Platz angekommen.

Wie immer gibt bei PICASA noch mehr Bilder als im Blog

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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2 Antworten zu Nelson blockt

  1. Douw Krüger schreibt:

    Mindestens langweilet ihr euch nicht :-). Unterzwischen war ich fuer zwei Tage zur Sederberge mit Familie aus Holland. Nochmals sehr schoen und natuerlich auch sehr heiss. Viel Spass weiter.
    Douw u Nelleke

    • Swissnomads schreibt:

      Soche Aufregungen such wir eigentlich nicht. Es ist schon das dritte mal, dass wir in Südafrika Probleme mit oder wegen einem Autoschlüssel haben 😦

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