Die Tomaten-Enten und andere wilde Tiere

22.11.2013 Windhoek
Wieder Physiotherapie und dann zu Doktor Nummer fünf. Der Rückgratspezialist spricht etwas deutsch und so war die Kommunikation etwas einfacher. Er schaute sich nur die Röntgenbilder vom Montag an und wusste schon, da muss operiert werden. Keine Untersuchung der Patientin, nichts. Dafür erklärte er ganz genau was das Problem ist und was man bei der Operation machen wird. Er sprach auch noch von seinem Professor in Kapstadt bei dem Christine das machen lassen könnte. Er würde sich auch um einen Termin im Januar kümmern. Im Verlauf des Gespräches erzählte er, dass er sich auf diese Art von Eingriffen spezialisieren will, diese vorläufig aber nur mit dem Professor machen würde. Aha, da meint einer er habe hier ein Übungsobjekt gefunden. Christine will sich aber vorläufig nicht operieren lassen und wenn es dann unbedingt sein muss, lieber in der Schweiz. Sie will es mindestens eine noch Woche weiterhin mit Physio versuchen und dann sehen wir weiter.

23.11.2013 Windhoek – Lake Oanob
Für dieses Wochenende verliessen wir Windhoek nach dem einkaufen im Superspar. Auf der B1 Richtung Rehobot bogen wir kurz vor dem Ort ab auf die Piste zum Lake Oanob Resort. Auf dem Weg sahen wir ein paar Giraffen am Zaun. Helena (Schweizerin) und Chris (Namibier) Benadé sind hier zuständig. Wir bekamen mit etwas Glück statt einem Platz ganz oben auf den Hügeln, einen mit direktem Seeanstoss. Zum Stellplatz Berakah gehört eine mit Strohdach gedeckte Terrasse, die mit Kühl- und Gefrierschrank, sowie Wasser und Grill ausgerüstet ist. Unter dem Dach ist auch noch eine 5×7 Meter grosse Galerie, auf der man schlafen könnte. Ausserdem gibt es zu jedem Stellplatz eine private Dusche und eine Toilette. Alles ist sehr sauber und gepflegt. Auf dem See herrschte reger Verkehr, neben dem grossen Ausflugsboot waren viele kleine Motorboote mit Wasserskifahrern und Wakeboardern.

Es gab viel zu sehen. Später gingen wir mal zum Pool. Der liegt aber ziemlich weit entfernt von unserem Stellplatz, was für Christine etwas mühsam zu bewältigen war. Es gibt hier zwei nicht sehr grosse Becken, wobei das für Nichtschwimmer sogar grösser ist als das tiefere und den Giraffe- Pool, eine Art Whirlpool. Helena hatte uns beim Buchen gewarnt dass sie an diesem Wochenende ausgebucht seien und viel los sein wird. Und sie hatte recht, am Pool war ganz schön was los. Es kamen auch noch zwei Schäferhunde und einer ging sogar im Pool baden. Dann schubsten sich Erwachsene in voller Bekleidung gegenseitig in das kleine Becken und eine Frau fiel auf ein kleines Mädchen. Als es wieder hochkam weinte es weil ihm das Knie weh tat. Kurz darauf rief ein Kellner einem Gast neben dem tiefen Becken laut etwas für uns unverständliches zu. Der Gast bückte sich zum Wasser hinunter, griff hinein und holte einen völlig bekleideten kleinen Jungen aus dem Wasser. Sah aus, als wäre er fast ertrunken und natürlich weinte auch der.
Ja am Pool war was los. Als wir genug Action hatten, gingen wir langsam wieder zurück zu unserem gemütlichen Stellplatz.

Wir hatten uns eigentlich für das Nachtessen angemeldet, aber für Christine war es zu viel noch einmal bis zum Restaurant zu laufen. Deshalb gingen wir beim Empfang vorbei, meldeten uns ab und kauften einen Sack Holz. Im Kühlschrank hatten wir noch Oryx-Filet. Dazu machten wir uns Bratkartoffeln in der Alufolie und Salat. Trotz dem Betrieb hier war es am Abend sehr ruhig.

Wir genossen einen tollen Sonnenuntergang und später einen wunderschönen Sternenhimmel.

24.11.2013 Lake Oanob
Auf Arebbush Camping in Windoek, haben wir auf der einen Seite die Hauptstrasse und auf der andern den Inlandflugplatz Eros. Was nicht gerade die ruhigste Lage ist. Aber sogar hier wurde Emanuel am Morgen durch Lärm geweckt. Eine Biene summte ihm von ausserhalb des Zeltes ins Ohr. Immerhin es war schon sieben Uhr und wir waren gestern schon um halb zehn im Bett. Das Frühstück genossen wir auf der Terrasse. Helena kam auf einen Schwatz vorbei und sie erzählte uns wie sie nach Namibia kam und wie ihr Mann die Idee zu diesem Resort hatte und wie sie diese verwirklicht haben. Es sind tolle Leute und was Helena da berichtete ist sehr interessant. Emanuel ging später zum Baden in den See um sich abzukühlen. Kaum stand er am Ufer, kam ein Stockentenweibchen angeflogen. Zum Glück kein Erpel der sei Revier verteidigt, dachte Emanuel. Das hätte noch gefehlt hier von einem wilden Tier angegriffen zu werden… Aber die Entendame erwartete scheinbar, gefüttert zu werden. Nichts gibt’s, er stieg ins Wasser, während die Ente die steinige, steile Uferböschung hochkletterte. Es sah aus, als wollte sie bei Christine oben betteln gehen. Als Emanuel genügend abgekühlt war stieg er wieder zu unserm Platz hoch, und sah dabei die Ente, wie sie Cherrytomaten futterte, die hier zwischen Steinbrocken wild wachsen. Sie mühte sich sehr, kam aber trotzdem nicht richtig an dran. Emanuel pflückte einige, die überreifen bekam die Ente (was sie sehr freute) und für uns blieben auch noch etwa zehn Stück, (was wiederum uns freute). Es gibt in Afrika einen Vogel, der anzeigt wo sich ein Bienennest befindet, hier gibt es eine Ente, die einen zu Tomaten führt.

Suchbild. Wo ist die Ente und wo ist die Tomate?

25.11.2013 Lake Oanob – Windhoek
Heute herrschte total Ruhe auf dem See kein einziges Boot zu sehen, aber die „Tomaten-Ente“ kam vorbei und holte sich  ein paar Früchte. Wir mussten wieder einmal alles in den Bus verladen und machten uns auf den Weg nach Windhoek. Einen kleinen Abstecher nach Rehobot um zu tanken machten wir auch noch. Es soll hier laut Reiseführer 40 Kirchen geben. Gesehen haben wir nur vier, davon war eine eine Moschee. Rehobot wurde von Mischlingen übernommen und man sieht heute noch auf der Strasse hauptsächlich Coloureds, wie man sie hier nennt, oder Rehoboter Bastards wie sie sich selber nennen.Je näher wir Windhoek kamen je düsterer wurde der Himmel und wir sahen vor allem östlich der B1, wie sich Wolken entleeren. Als wir auf dem Zeltplatz Arebbush ankamen regnete es auch ein wenig, aber nicht so dass man wirklich nass wird. Am Nachmittag erfuhren wir von der Physiotherapeutin, dass am Samstag ein heftiges Gewitter in Windhoek für einen grösseren Stromausfall sorgte. Es blieb für den Rest des Tages bewölkt und am Abend sassen wir wirklich mit langen Hosen und Pullover beim Grillfeuer. Mit knapp 20 Grad hatten wir das Gefühl, es sei schon ziemlich kühl.

26.11.2013 Windhoek
Am Mittag war noch einmal Physio angesagt. Wir fuhren danach in das Stadtzentrum, essen dort zusammen einen Chicken Salad, wo uns der Besitzer noch von einem Schweizer Paar erzählt, das gestern gegen Abend in der Talstrasse überfallen wurde. Er kennt den Konsul, der gleich nebenan auch ein Restaurant betreibt und dank diesem sei dem Paar schnelle und unbürokratische Hilfe zuteil geworden (Pässe, Bargeld). Das sind natürlich nicht gerade die Nachrichten, die man am liebsten hört, aber andererseits ist es auch beruhigend zu wissen, dass schnelle Hilfe möglich ist.
Christine möchte noch schnell in das Kleidergeschäft Foschini. Sie fand da ein schönes Trägershirt, aber das Bezahlen war schwierig. Es waren nur zwei Kassen besetzt und dort standen Kundinnen, die sehr Betreuungsintensiv waren. Die eine suchte scheinbar einen Artikel in einer anderen Grösse als er hier vorrätig ist. Zwei Angestellte versuchten heraus zu finden ob er in einer anderen Filiale erhältlich ist. An der anderen Kasse war eine Kundin bei der man die Bank anrufen musste weil etwas mit der Kreditkarte oder Kreditwürdigkeit nicht stimmte. Nach 20 Minuten verzichtete dann Christine auf das schöne Trägershirt.

27.11.2013 Windhoek
Heute ging Emanuel mit Nelson zu Hermann. Das ist Carsten Möhles „Hausmechaniker“ und mit diesem hat er vor einigen Wochen über Nelsons  Macken am Automatikgetriebe  gesprochen.  Er fährt meistens im zweiten Gang an und manchmal kann er sich nicht zwischen dem zweiten und dritten Gang entscheiden. Nun sollte Hermann mal schauen ob er das beheben kann. Die Motorabdeckung innen und unten mussten weg. Auf den ersten Blick sah Hermann schon mehrere unschöne Sachen, die zwar mit dem Getriebe nichts zu tun haben, die aber er gleich behob.  Die Dichtung beim Luftfilter sitzt schlecht. Zwei Benzinschläuche scheuern am Gasgestänge, eine Kontermutter an demselben ist lose und eine Batteriepolschraube ist nicht fest genug angezogen. Auch die Probefahrt brachte keinen konkreten Hinweis. Dafür gab es noch einen Tipp zum Lenkungsdämpfer. Der gibt nämlich nächstens schon wieder den Geist auf. Das ist nun der dritte, den Emanuel in 15‘000km tauschen muss. Zum Glück haben wir einen Ersatz dabei. Hermann meinte, mit etwas Aufwand kann man den stärkeren vom 306er Model nehmen. Da er für seine Hilfe kein Geld annehmen wollte, lud ihn Emanuel ein, doch wenigstens auf ein Bier bei uns vorbei zu kommen. Was er dann zu unserer Freude am späteren Nachmittag auch machte. Wir konnten uns dann über unsere vergangenen und zukünftigen Reisen austauschen, und erhielten auch noch einige wertvolle Tipps.

28.11.2013 Windhoek
Mit Hermanns Tipp einen Lenkungsdämpfer des Mercedes 306 in Nelson einzubauen, gingen wir zu M+Z Motors, die hiesige Mercedes Vertretung im nördlichen Industriegebiet. Das Teil war im Computer nicht zu finden,  aber der Chef des Ersatzeilverkaufs  war  sich nicht zu schade sich in seinen hellen Hosen unter den Bus zu legen, um die Nummer abzulesen. Er versprach auch sich in Südafrika zu erkundigen, wenn er das gewünschte Teil selber nicht findet. Wir gaben ihm unsere Handy Nummer und hofften auf einen Anruf von ihm.  Aber da ist ein Kollege in der Schweiz schneller gewesen. Emanuel hatte ihn per Mail angefragt und eine gute Stunde später hatten wir schon die gewünschte Nummer. Ein grosses Dankeschön an Michael. Wir sind nun gespannt ob wir das Teil hier oder in Südafrika bekommen.
Nachdem wir die „Busprobleme“ erledigt hatten, gingen wir  wieder einmal ins Wernhill Einkaufszentrum. Auch hier gibt es eine Foschini Filiale und Christine wollte  noch einmal einen Versuch machen, das Trägershirt von vorgestern zu kaufen. Das gab es hier leider nicht, dafür ein Sommerkleid, das sie in dem andern Laden schon gesehen hat. Damit geht sie zur einzigen besetzten von vier Kassen. Eine Kundin wurde gerade abgefertigt und vor uns wartet noch eine Frau. Die wollte einige Teile zurückgeben. Die Kassiererin verliess mit ihr die Kasse und ward nicht mehr gesehen.

Disese Foto wurde zwar bei Edgars gemacht, aber es zeigt
wie sich vier Angestellte um das Anliegen eines Kunden kümmern.

Und nun hatte Christine keine Geduld mehr, noch einmal ewig zu warten. Also tschüss, Sommerkleid 😦 Wir sind zwar schon einige Zeit in Afrika, aber mit der Geduld ist das so eine Sache- man hat sie oder hat sie nicht- Christine hat sie definitiv nicht!
Hier auf dem Camping haben wir auch bereits so was wie ein Haustier- Gusti, die Fuchsmanguste besucht uns jeden Abend und manchmal auch am Tag.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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4 Antworten zu Die Tomaten-Enten und andere wilde Tiere

  1. Douw Krüger schreibt:

    Ich glaube Christine und Nelson hätten nicht gerne ihre Probleme in Sudan oder Ethiopia, oder? Nochmal gute Besserung.

    Douw

  2. Bergers schreibt:

    Dr Diego seit e Gruss für aui Vorauem fürs Gusto 🙂

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