In Afrika kann es auch kalt sein

18.09.2013 Rosh Pinah – Lüderitz

Heute erlebten wir die Extreme von Namibia. Losgefahren sind wir bei 16 Grad, angekommen in Lüderitz am Atlantik sind wir mit 19 Grad. Dazwischen hatten wir bis 34 Grad in der Nähe von Aus wo wir für Kaffee und Kuchen im Restaurant Bahnhof eingekehrt sind. Vorher haben wir beschlossen die etwas langweilige, geteerte C13 zu verlassen und über die Pisten D727 und D446 Richtung B4 zu fahren. Die gut 120km brauchten fast zwei Stunden und sahen dabei kein einziges Fahrzeug. Dafür begegnete uns auf der B4 ein breiter Schwertransport, der die ganze Breite der geteerten Strasse brauchte, so dass wir gezwungen waren in den Schotter auszuweichen.

In der Halbwüste zwischen Aus und Lüderitz leben wilde Pferde. Dies sind Nachkommen der Reitpferde der ehemaligen, deutschen Schutztruppen und sind sich hier ziemlich selbst überlassen. Einzig ein Wasserloch wurde angelegt, an dem wir einige Dutzend sehen konnten und noch einige Oryxe und Strausse. Die Pferde sind zum Teil sehr mager,  das ist aber kein Wunder, denn ganz Namibia leidet  seit letztem Jahr an einer andauernden Trockenheit.

Etwa dreissig Kilometer vor der Küste wehte ein starker Südwind, so dass wir in einen Sandsturm kamen. Wir fahren sonst immer mit offenem Fenster, aber nun mussten wir diese schliessen und die Klimaanlage einschalten. Der Strassenbelag war zeitweise kaum zu sehen, soviel Sand wurde über die Fahrbahn geweht. Zum Glück bleibt er aber dort nicht liegen.

In Lüderitz angekommen suchten wir das Tourist Office auf und baten um eine Liste der Unterkünfte. Diese erhielten wir auch aber wir konnten keine der sechsstelligen Nummer anrufen. Wir dachten schon unsere namibische SIM Karte sei schon leer oder defekt. Aber eine nette junge Frau in einem Geschäft klärte uns auf, dass dies Festnetznummern sind und wir die Vorwahl 063 davor setzten müssten, dann klappte es auch. Wir fanden schliesslich im Gästehaus Waterkant ein Zimmer.

19.09.2013 Lüderitz

Herr Härbich der Hausherr des Gästehauses, hat  für uns heute eine Fahrt mit einem Motor- Segelschiff zu den Pinguinen und Robben der Insel Halifax gebucht. Um zehn vor acht mussten wir am Schiffssteg sein, darum haben wir den Wecker auf sieben gestellt, damit wir noch Zeit haben für das Frühstück. Mit uns war noch ein jüngeres, deutsches Pärchen an Bord und natürlich Rene der Kapitän und Moses sein Steuermann. Als wir halb zur Bucht hinaus waren, wurden wir von Delphinen begleitet. Als unser Ziel die Insel Halifax in Sicht kam wurde die Dünung immer stärker und wir sahen, dass bei der Insel ziemlich grosse Brecher entstanden. Der Kapitän beschloss die Fahrt abzubrechen und in den Hafen zurück zu kehren. Schade, aber es hat uns trotzdem Spass gemacht. Rene hat sich auch bereit erklärt nur den halben Preis zu verlangen.

Danach fahren wir zum Diaz Point, wo Bartolomäus Diaz, als erster Weisser den Fuss auf namibischen Boden setzte. Auf  Dem Weg dorthin sehen wir in der Grossen Bucht Flamingos und anschliessend besuchten wir noch etliche kleine Buchten.

Eine davon heisst Kleiner Fjord und das ist wirklich ein ziemlich tiefer Canyon, in den das Meer hinein gespült wird. Zwei davon konnten wir wegen allzu schlechter Piste nicht erreichen, schliesslich fahren wir keinen 4×4.

Kaffee und Kuchen hatten wir heute im Diaz Coffeeshop. Beides sehr fein, aber der Kaffee ist wohl der Beste den wir bis jetzt inNamibia hatten.

Zum Schluss wollten wir noch an den Achat Strand, aber kurz bevor wir diesen erreichten, scheint Emanuel dass der hintere linke Reifen ein seltsames Geräusch macht. Er hielt an und musste feststellen dass der Reifen völlig platt ist. Die Reifendrucküberwachung die letzte Woche ein Problem anzeigte wo keins war, hat nun komplett versagt. Sch.. Elektronik!!

Also heisst es Rad wechseln, zum Glück ist es hier nicht so heiss. Zusammen schafften wir es in kürzester Zeit, und sind wieder mobil. Nun mussten wir einen Reifenhändler finden. Das GPS gibt uns zwar einen an, aber der ist mittlerweile umgezogen. An der Tankstellen dort gibt man uns die neue Adresse. Dort  sind die Mitarbeiter gerade mit Ent- und Beladen eines LKW’s beschäftig und man vertröstet uns auf später. Wir sollten aber vor fünf kommen denn dann würden sie schliessen. Um halb fünf sind wir da und die Leute sind immer noch mit dem Lastwagen beschäftigt. Einer nimmt sich doch noch die Zeit, den Reifen aufzupumpen und schaut nach wo das Leck sein könnte. Gefunden wird es bald, da Emanuel aber eine Reifenversicherung beim Vermieter abgeschlossen habe, könnte man den Reifen auch gleich ersetzen. Nur ist  diese Grösse ist nicht am Lager und im Hauptsitz der Firma ist auch keiner kurzfristig erhältlich. Man bietet uns an das Leck zu reparieren so dass wir wenigstens mit einem Ersatzrad weiterfahren können. Notgedrungen nehmen wir das Angebot an, aber heute wird noch nichts damit, denn jetzt muss erst mal noch die per LKW angelieferte Ware verräumt werden.  Also vereinbaren wir, den Reifen morgen um neun abzuholen.

20.09.2013 Lüderitz – Duwisib

Gestern war es den ganzen Tag bewölkt und wir haben gelernt, dass es sich hier meist um politische Wolken handelt. Sie Versprechen etwas aber halten es nicht. In dieser Nacht hat es aber doch noch geregnet und zwar fast 20mm. Das ist für Namibia relativ viel. Die steile Naturstrasse  an der unserer Unterkunft liegt, ist nur abwärts befahrbar. Wie Daheim wenn es geschneit hat.

Bevor wir uns in Richtung Tirasberge aufmachen, holen wir unser geflicktes Ersatzrad ab.

Auf der Strecke Richtung Aus ist die Strasse immer noch nass und als wir nach einer guten Stunde dort ankommen sind es hier nur noch vier Grad. Zur Erinnerung: vor drei Tagen hatten wir hier in der selben Ortschaft 34 Grad. Wir tanken  nur schnell und holen uns im Shop eine Flasche Wasser und sind auch schon wieder weg.

Nur noch ein kurzes Stück fahren wir auf geteerter Strasse dann ist es für den Rest der Fahrt nur noch Piste. Zeitweise regnet es und unser Wagen sieht auch dem entsprechend aus. Vor allem das Heck sieht aus wie zementiert.

Wir machen einen kleinen Umweg über Helmeringhausen, wo es einen ausgezeichneten Apfelkuchen gibt. Weiter geht es dann auf der C27 durch eine schöne, hügelige Landschaft bis nach Duwisib wo ein viel besuchtes  Schloss steht.

Daneben ist die Duwisib Farm und Gästehaus wo wir für heute Nacht unterkommen. Und das ob schon wir die Zeche nicht bezahlen können. Heute Morgen haben wir nämlich vergessen am Bankomat (hier ATM genannt) Geld zu holen. Hier kann man nämlich nur  bar bezahlen. Aber Herr Frank-Schultz, der Chef nimmt das ganz locker, man würde da schon eine Lösung finden. Emanuel bietet ihm Euro oder Schweizer Franken an. Er möchte aber lieber, dass wir den geschuldeten Betrag bei Gelegenheit auf sein Bankkonto einzahlen. Dieses Vertrauen in unsere Ehrlichkeit erstaunt uns doch wieder. Jedoch haben wir ja vor einigen Jahren auf Hamakari das gleiche erlebt.

Die Gästebungalows sind übrigens sehr einfach, aber geschmackvoll eingerichtet. Auch die Umgebung ist sehr schön und nach einem Spaziergang, bei dem wir das Schloss besichtigt und den tollen Campingplatz begutachtet haben, stellen wir uns vor, wie es wäre, wenn uns nicht der Wind um die Ohren pfeifen würde und wir nicht in eine Decke gewickelt schreiben müssten.

Zum Nachtessen gesellen sich noch Sonja und Stephan aus der Schweiz und serviert wird vom Chef persönlich. Das Essen war super vor allem da Bobotje schmeckte uns besonders gut. Von Herrn Schultz erfuhren wir viel über die Geschichte und Politik Namibias, sowie das Farmerleben.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
Dieser Beitrag wurde unter Namibia veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s