Wenn einer eine Reise tut hat er etwas zu erzählen!

Die Reise mit Nelson nach Antwerpen war nur 700km lang aber auch da gibt es ein wenig zu berichten. Bis zur Deutschen Grenze verlief alles normal, ich war mit etwa 80km/h unterwegs und wurden von allen Lastwagen überholt. Aber das ist nichts neues, das kannten wir schon. Dafür hat mir der Schweizer Zoll in Basel Spass gemacht. Am Schalter war ein jüngerer Grenzwächter, der noch nie das Carnet de passage*1 gesehen hat. Er fragte seinen noch jüngeren Kollegen vom Zollamt, aber der staunte auch nur.Und ein weiterer Grenzwächter konnte auch nicht helfen. Der Spediteur hatte mich schon vorgewarnt, deshalb hatte ich die Anleitung zum CDP*1 auch mit genommen, denn meinen Hinweisen schenkte man keinen Glauben. So verging etwa eine halbe Stunde bis der Grenzübertritt erledigt war. Ein ganz kleiner Vorgeschmack für Afrika wo ein Grenzübertitt mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Der Rest der Strecke bis ins luxemburgische verlief fast ohne Vorkommnisse. Ausser dass ich einmal die Anweisungen des GPS nicht befolgte, und mich damit etwas von der geplanten Route abbrachte. Dafür fuhr ich auf kleinen Strassen durch etliche hübsche Elsässer Dörfer. Allerdings waren die Strässchen zum Teil so klein, dass man kaum kreuzen konnte. Zudem war der Rand der Strässchen oft noch mit einer abgerundeten Schulter versehen, welche dann einige Zentimeter tiefer in einem Schotterbett endete. Einmal verschätzte ich mich und Nelson kam ganz schön ins Schlingern. Aber zum Glück ist nichts passiert. Südlich von Luxemburg habe ich dann auf einem Campingplatz in der Nähe der Autobahn übernachtet.
Die Nähe der Autobahn war zwar praktisch, dafür hörte man ein permanentes Rauschen und die hochtourig durchrasenden Motorräder. Das war ja eigentlich zu erwarten. Aber, dass der Zeltplatz auch noch in der Flugschneise des luxemburgischen Flughafens lag kam überraschend. Dank der stundenlangen Fahrt war ich aber müde genug um schon früh ins Bett zugehen und konnte auch bald einmal einschlafen. Am nächsten Morgen war es im Bus nur 16 Grad, so dass ich beschloss die Standheizung in Betrieb zu nehmen. Nach 10 Minuten waren es schon 20 Grad und angenehm zum aufstehen. Nelson war bald einmal reisebereit und ich ging die Übernachtung bezahlen. Eine Person mit Camper ohne Stromanschluss kostete moderate €9.- Nun holte mir noch die am Vorabend bestellten Brötchen und einen Kaffee bekam ich auch noch. Dann noch in der nächsten Tankstelle den Haupttank mit günstigem Benzin (€1.34/l) füllen und auf ging es Richtung Antwerpen.
Unterwegs kam mir die Idee nicht nur an Brüssel vorbei zu fahren, sondern dieses auch zu besuchen. In die Stadt hinein wollte ich nicht, aber das Atomium wollte ich doch ganz gerne ansehen. Beim nächsten Pausenhalt programmierte ich das GPS und wurde  problemlos dorthin geführt. Die Kugelkonstruktion zu erreichen muss man durch einen sehr grossen Park fahren. Das Atomium wurde zur Weltausstellung 1958 erstellt und ist nun zum Wahrzeichen Brüssels geworden. Hier machte ich meine Mittagspause, bei Käsesandwich und Cola.


Auf der Weiterfahrt nach Antwerpen fuhr ich die längste Zeit über eine vierspurige Strasse mit vielen Ampeln. Links und rechts standen ohne Unterbruch kleiner und grössere Geschäftshäuser. Ich erwartete irgend einmal wieder auf die Autobahn zu kommen, da sah ich das Strassenschild „Antwerpen Zentrum“. Nach einer guten halbe Stunde war ich also schon in den Aussenbezirken meines heutigen Ziels angekommen. Von hier führte mich das GPS  zum städtischen Zeltplatz am Ufer der Schelde. Dieser liegt weit entfernt von der Autobahn, dafür hatte ich als Nachbarn eine Familie mit drei Kinder von denen die zwei jüngsten immer wieder schreiend ihren Unmut kund taten um dann abwechlungsweise von Mutter oder Vater lauthals zusammen gestaucht zu werden. Nachts waren alle fünf aber ruhig, erst um sieben ging es wieder los.
Vorher kam aber noch Eddi mit seinem rostigen Klappfahrrad vorbei. Er scheint der belgische Daniel Düsentrieb zu sein. Angesprochen hat er mich wegen Nelson. Er erklärte mir, dass er so ein Fahrzeug suche und erklärte mir in allen Details auch welche Pläne er damit hatte und noch weitere tolle Ideen. Als erstes möchte er ein Schiff aus Bambus und Kevlar bauen. Das kommt dann unter den Bus, welchen er zum Amphibienfahrzeug umfunktionieren wolle. Im weiteren möchte er einen Deltasegler aus Bambus bauen der  auf dem Wasser landen kann. Eddi hätte auch noch einen Motor um daraus ein Ultraleichtflieger zu machen. Wer jetzt denkt dieser Erfinder sei ein 10 jähriger Fantast der irrt, er ist mindesten so alt wie ich, auf jeden Fall schon Rentner. Eddi hat mir noch einiges mehr aus seinem Leben erzählt. Zum Beispiel, dass er eine Zeit in der Schweiz verbracht hat und konnte sogar einige Sätze Schweizerdeutsch sprechen. Mir hat die Unterhaltung mit ihm viel Spass gemacht, da ich die letzten zwei Tag nicht viele Gesprächspartner hatte.
Kurz darauf kam noch John mit seinem Sohn vorbei, und beide bestaunten Nelson. Nach dem Nachtessen, habe ich mich noch mit John über seine Heimat, die USA, unterhalten.
Spät ging ich an diesem Abend ins Bett und kalt war mir auch nicht. Beim Aufstehen hatte ich 20 Grad im Bus und das ohne die Unterstützung der Standheizung.
Um 07:30 waren Nelson und ich eigentlich schon startklar, aber bei der Ankunft hatte ich für das Stromkabel ein Depot von €30 hinterlegt und der Platzwart sollte laut Anschlag erst um neun wieder da sein. Also fuhr ich los um etwas zum Frühstück zu finden. In einer Bäckerei bekam ich frische Brötchen und den Hinweis, dass in der nahe gelegen Tankstelle Kaffee erhältlich sei. Als ich am Automat meine Wahl getroffen hat, ratterte es und auf dem Display stand etwas von „Gekozen drank“ oder so ähnlich. Ich wusste nicht so recht ob das eine Geschmacksrichtung war, aber das braune Gebräu schmeckte ganz ordentlich. Gleich da, am Strassenrand habe ich getafelt und den Berufstätigen zugeschaut wie sie an die Arbeit hetzten. Ach ist das Rentnerdasein doch schön.
Danach zurück wo der Herr des Campings schon etwas früher erschienen war und das Kabel gegen mein Depot austauschte.  Und schon ging es weiter nach Kallo. Da sollte ich Nelson im Terminal der IOC für die spätere Verschiffung abgeben.
Hier lief nicht alles wie geschmiert, weil ich die vom Schweizer Spediteur erhaltenen Dokumente zu Hause gelassen hatte. Ein Anruf bei ihm und die Unterlagen wurden gefaxt. Dann ging alles recht schnell, Formulare ausfüllen,  ein wenig warten. Wiederholt wurde ich gefragt ob der Wagen beladen sei, wahrheitsgemäss bejahte ich dies. Aber als ich dann sagte dass er gut und gerne 3.5 Tonnen schwer sei, wurden nur Schultern gezuckt. Diese Männer waren es gewöhnt andere Kaliber wie Lastwagen und Baumaschinen in Emfang zu nehmen. Also fuhr ich zwar über die Waage, aber ohne anzuhalten.

Nach kurzer Wartezeit wurde ich von einem weiteren ICO-Mitarbeiter und seinem Wagen auf einen Parkplatz auf dem weitläufigen Areal geleitet. Hier wurde Nelson parkiert, alle Türen abgeschlossen und mit etwas bangem Gefühl händigte ich den Schlüssel aus. Wie werden wir ihn wieder in Walvis Bay in Empfang nehmen? Im Internet kursieren schlimme Geschichten über nach Afrika per Ro-Ro*2 verschiffte Camper welche unterwegs ausgeräumten wurden.


Dann wurde ich zum Eingangstor zurück chauffiert, wo mir die nette Dame ein Taxi bestellte. Mit diesem fuhr ich dann zum Zentral Bahnhof um ein Bahnticket zum Brüsseler Flughafen zu erstehen. Danach schlenderte ich einige Zeit durch das Stadtzentrum. Dabei kam ich zufällig zu einer kleinen Gasse mit einer Polizeistation und versenkbaren Pollern. Das war das Gebiet der Diamantenhändler und Schleifer. Bei gefühlten 30 Grad war es einfach zu heiss um in der Stadt herum zu laufen, darum habe ich mich einen Moment im kühleren Bahnhof ausgeruht und beschlossen den 14:09 Zug zu nehmen. Jetzt sitze ich hier im Flughafen und habe Zeit diesen Bericht zu schreiben, während ich warte in den 20:50 Flieger von Easyjet nach Basel einzusteigen. Dort wird mich Christine abholen.

Nachtrag zur Ankunft im Flughafen Basel.
Keine Christine da um mich zu begrüssen. Na ja, der Flieger ist einige Minuten zufrüh gelandet, oder sie wartet draussen beim Auto, parkieren ist hier immer ein Glückssache. Aber auch draussen ist sie nicht zusehen.

Sie ruft mich auf dem Handy an: „Wo bist Du?“.
Ich: „Draussen bei der Ankunft!“.
Sie: „Aha, ich bin Drinnen.“.
Ich: „Komisch, ich habe Dich nicht gesehen!?!? Egal dann komm raus!“
Sie kurze Zeit Später: „Ich bin Draussen, wo bist Du denn??“
Ich:  „Bei den Taxis.“
Sie: „Ich auch, aber ich sehe Dich nicht.“
Ich: „Bist Du bei  Abfluge?“
Sie: „Nein, bei der Ankunft!“
Ich: „Ich auch, also sollten Wir uns sehen. ???? Moment!!! Ich stehe hier bei einem Linienbus.“
Sie: „Ich auch! Also eigentlich sind es sogar zwei Busse!“
Da ging mir ein Licht auf. Man muss wissen, der Flughafen Basel-Mulhouse steht auf französischem Boden und hatten einen direkten Zugang aus der Schweiz und auch einen aus Frankreich. Christine stand auf der französischen Seite und ich hatte den Ausgang zur Schweiz benutzt. Uns trennten nur etwa hundert Meter, aber hier Draussen durch einen hohen Zaun und im Gebäude durch eine Glaswand. Ein Stockwerk höher kann man aber problemlos die Seite wechseln, was ich dann auch tat. So kam wir doch noch zusammen und konnten endlich nach Hause fahren.

*1 Carnet de passage auch CDP genannt die zur zollfreien Ein- und Ausfuhr eines Motorfahrzeuges. Dafür muss man beim Aussteller, in unserem Fall der TCS, einer Kaution von mehreren tausend Franken als Kaution deponieren. Das CPD wird in verschieden Länder Afrikas anerkannt. Wenn man von jedem Land einen Ein- und Ausreise Stempel hat bekommt man die Kaution wieder zurück.

*2 Ro-Ro heisst Roll on – Roll off. Das Prinzip ist das selbe wie bei einer Fähre nur dass hier keine Passieger mit fahren können. Diese Variante drängte sich auf, weil Nelson mit seinen 3 Meter zuhoch für einen Container ist.

Über Swissnomads

Wir sind seit Februar 2013 pensioniert und im September 2013 mit unserem Mercedes Benz 310 4x4 los gezogen um Afrika bis April 2019 zu "erfahren". Wir machten aber hie und da auch einen Heimaturlaub. In den letzten 20 Jahre waren wir zusammen schon etliche Male im nördlichen und südlichen Afrika unterwegs. Emanuel hat bereits in den 70er in Südafrika gearbeitet und ist anschliessen mit einem VW Bus zurück in die Schweiz gefahren.
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